Vortex 3D-Masters

Zum Beginn der 3D-Saison direkt mit einem so anspruchsvollen Turnier zu starten, war definitiv nicht geplant. Aber man wächst ja mit den Herausforderungen! 😉

Freitag Nachmittag machten Stefan und ich uns von Wuppertal auf in den Norden. Waren die Autobahnen im Rheinland noch ziemlich „zu“, kamen wir ab Velbert gut durch und waren daher bereits gegen 18:30 Uhr in Brokeloh. Stefan lud mich und meinen „Überseekoffer“ am „Dreschhof“ ab und fuhr dann weiter zur Ferienwohnung, die er sich mit einer anderen Schützin teilte.

Da ich das Buffet gebucht hatte, musste ich das Hotel gewissermaßen nicht mehr verlassen, bin aber noch eine Runde durch das hübsche Dorf gegangen. Das Buffet war gut (vor allem das sogenannte „Stundenfleisch“, eine Art Schmorbraten), aber 18,50 EUR fand ich für einen Landgasthof „etwas“ übertrieben, zumal auch die Getränkepreise nicht „ohne“ waren. Im Nachhinein ist nach Inaugenscheinname des Zimmers auch der Übernachtungspreis kein Schnäppchen, wenn der Raum bereits beim Ablegen des Bogenkoffers überfüllt war und man mit einem Duschvorhang kämpfen muss …
Schön war, dass man beim Essen gleich Anschluss fand, kannte ich doch nur wenige Turnierteilnehmer. Es waren viele Schützen aus den nördlichen Bundesländern und sogar aus Dänemark angereist, weil es im Norden leider nur wenige 3D-Turniere und -Parcours, speziell für Compound-Schützen, gibt.

Am Samstag hieß es früh aufstehen, denn die Bogenkontrolle begann bereits um 07:30 Uhr! Wie ich bereits vermutet hatte, wirft mein Bogen schneller als es das ArchersAdvantage-Programm ermittelt hatte. Meine Stöckchen flogen immerhin mit 232 fps (während das Programm lediglich 216 fps ausgab).

„Frisch“ war es: -2°C sorgten für ein leichtes Bibbern, aber die Sonne lachte! Und da ich an Scheibe 16 startete, sorgte der lange Fußmarsch für das Aufwärmen. Nun lernte ich meine Kollegen Frank, Sebastian und Uwe kennen. Für Uwe, normalerweise Langbogenschütze, war es das erste Turnier mit dem Compound, und mein Bogen erlebte seine „Premiere“ in einem 3D-Turnier.

Schnell war klar, dass die „Jungs“ viel mehr Erfahrung hatten als ich – aber das hatte ich auch nicht anders erwartet. Jedoch auch sie kamen manches Mal ins Grübeln, wie weit das Ziel bei der „unbekannten“ Runde wohl entfernt war. Denn der Parcours war „tricky“ gestellt“! Mal schoss man vom Sonnenschein ins Dunkel, vom Wald auf eine Lichtung, der eisige Seitenwind wehte böig. Die Tiere standen nicht unbedingt „frei“, sondern „zwischen“ Astgabeln oder eng zusammen stehenden Bäumen. Manchmal sah man sie auch nicht „komplett“, so dass es nicht unbedingt half, wenn man die Konturen kannte. Eleven-Targets hatte ich noch nie geschossen, so dass ich auch kein „Bild“ dieser Ziele abgespeichert hatte. Diese Tiere sind vom Material sehr gut! Die Pfeile lassen sich gut ziehen, der Schaum schließt sich sofort, und durch die Wechselmitten kann man sie im Falle des Falles auch gut reparieren. Farblich sind sie manchmal „seltsam“, aber von der Qualität her prima.

Am Samstag standen die Ziele für uns Compounder bis etwa 65 m, und das ist schon eine „Hausnummer“. Da das Schätzen für mich (besonders durch mein fehlendes räumliches Sehvermögen) noch ein Problem ist, habe ich in der Doppelhunter-Runde reichlich „M“s gesammelt und manchen Pfeil „versemmelt“, insgesamt habe ich sechs Carbonbäume im Wald gepflanzt. Denn der weiche sandige Bogen verschluckte die Victorys auf Nimmerwiedersehen … Aber so manchen schwierigen Schuss konnte ich meistern, beispielsweise die Nutrias vom Hochstand (da half mir wohl die Erfahrung aus Wuppertal). Der Hirsch auf etwa 55 m hat mich vollends genarrt. Man stelle ich sich eine flache grüne Wiese vor – keinerlei Anhaltspunkte für das Auge! Mitten drin liegt ein Findling, und der Hirsch ist hinter dem Stein aufgebaut, so dass man die Beine nicht sieht. Wie weit er wohl weg war? Zumindest weiter als ich dachte, denn mein erster Pfeil knallte genau gegen den Stein und zerbrach! Erst beim Pfeileziehen stellten wir fest, dass zwischen dem Findling und dem Hirsch mindestens 10 m Abstand waren … 😉
Auch wenn meine Punkteausbeute bescheiden war, habe ich mich an dem spannenden Parcours und der schönen Landschaft erfreut. Die Tiere waren sehr „natürlich“ gestellt! Nurias und Otter standen am Wasser, die Gänse „grasten“ auf einer Feuchtwiese, Waldtiere standen im selbigen. Lediglich der Tiger (ein imposanter lebensgroßer Amurtigerkater) und die Krokodile passten als „Exoten“ nicht ganz in das Konzept, waren aber am Waldrand bzw. an einem Graben aufgestellt ein echter Blickfang (auch für die Spaziergänger und Wanderer, denn wir hatten immer wieder „Publikum“) und tolle Ziele!

Bei den Ottern bekam ich dann eine „Moorpackung“. Als ich zum Schreiben über den Graben gehen wollte, versank ich mit dem rechten Bein bis über die Wade im Modder. Zwei Kollegen mussten ziehen, um mich daraus zu befreien … Bin ich mal froh, dass ich keine Gummistiefel trug, denn der wäre wohl stecken geblieben. 😉

Neun Stunden waren wir unterwegs, denn das Gelände war sehr weitläufig! Höhenmeter habe ich nicht vermisst, denn die Schüsse waren auch so schon anspruchsvoll genug. Neben dem Hochstand gab es den „Brokeloher Berg“ – ein Erd- und Sandhügel von etwa 3 m Höhe, von dem aus eine Schneeziege in ca. 50 m Entfernung zu treffen war.
Allerdings mussten wir durch unseren Startpunkt den ganzen Parcours zweimal gehen, und das zog sich natürlich in die Länge. So bekam ich am Rittergut nur noch die zweitletzte Bratwurst und ein Stück Kuchen ab … Mitveranstalter Volker hatte Geburtstag und gab ein Fässchen Bier aus. Wie praktisch, war ich doch trotz Mitnahme von Wasser ziemlich ausgedörrt. Da das Fässchen leer werden sollte, bildete sich eine lustige Runde aus Veranstaltern, Zeltern, den Vortex-Leuten und mehreren Schützen … Irgendwann gegen 20:30 Uhr strichen Janina und ich dann doch die Segel und „wankten“ zurück zum Dreschhof. Geschlafen habe ich „wie ein Stein“ … 🙂

Obwohl es am Sonntag natürlich keine Bogenkontrolle gab, musste ich genauso früh raus, denn ich musste ja noch packen und auschecken.
Wieder das reichhaltige Frühstücksbuffet genossen und mit dem Bogen in der Hand durchs Dorf zum Rittergut …

Diesmal waren wir eine reine Mädelstruppe – und, oh Glück, starteten an Scheibe 4! Marion, Angela, Andrea (aus dem österreichischen Ried, wo mein Trainer lebt, und den sie natürlich kennt – die Welt ist klein!) und ich machten uns also auf zur „bekannten“ Runde. Wir bekamen die Entfernungen auf einem Zettel mitgeteilt, Range-Finder waren aber ausdrücklich erwünscht und zugelassen!

So konnte ich erstmals meinen Golflaser im Einsatz testen. Und das war unschön … 😦 Bis etwa 25 m stimmten die Birdie 500-Messungen noch mit den von den Veranstaltern ermittelten (drei verschiedene Range Finder, u.a. Vortex) überein. Je weiter die Entfernungen, desto mehr klafften die Werte auseinander.
Der Birdie zeigte grundsätzlich mehr an als die vorgegebenen Messungen. Bei 50 m betrug die Abweichung bereits 4 m, bei 75 m schließlich 6 m (der Birdie hat hier mehrfach 81 m gemessen)! Da ich meine Visierskala mit dem Birdie ermittelt hatte, waren die Daten bei den größeren Entfernungen schlicht und ergreifend falsch. Die musste ich dann gedanklich schätzen und korrigieren (im Regelfall stimmte die „Mitte“ zwischen Veranstalter- und Birdie-Messung) und das hat mich zu Beginn wertvolle Punkte gekostet. Denn ich musste ja zuerst das Abweichungsprinzip verstehen, wofür ich etwa sechs Ziele auf verschiedene Entfernung benötigte. Als ich dies verinnerlicht hatte, „fluppte“ es, und ich konnte mir viele 16er und auch ein paar 20er notieren. Manche Ziele waren umgepflockt, aber viele standen in denselben Distanzen, so konnte man herausfinden, wie gut das Schätzen am Vortag geklappt hatte. Eins der umgepflockten Ziele war der Damhirsch. Vermutlich waren die Pflöcke von jemandem gesetzt worden, der größer als 1,70 m war – denn drei von uns Frauen haben bereits mit 1,60 m das Wachsen eingestellt. Durch die Höhe der Naturhecke aus Zweigen und Totholz gab es für uns keine sichere Durchschussmöglichkeit! Unser Target-Captain Marion war jedoch um eine Lösung nicht verlegen: sie holte von der nahen Labestation eine leere Getränkekiste, und von dieser erhöhten Position konnten wir das Ziel gut ansprechen.
Ausgerechnet am letzten Ziel musste ich mir dann doch ein M aufschreiben lassen. Das Ziel im Visier kam auf einmal von hinten eine Windböe, die den Pfeil hochdrückte … oder vielleicht habe ich doch den Neigungswinkel unterschätzt. 😉

Die bekannte Runde war für mich prima! Denn nun konnte ich verschiedene Distanzen üben (für Compound bis 75 m) und mich auf meine Schusstechnik konzentrieren. Die Aha-Effekte waren deutlich! Zunächst an der Rückenspannung gearbeitet, konnte ich dann auch Zughand und Release immer besser korrigieren. Denn jeder Schuss gab mir eine klare Rückmeldung! Je sauberer die Technik, desto schöner das Schussgefühl und die Trefferlage. Und so war ich mit der erreichten Punktezahl des Sonntags sehr zufrieden. Denn natürlich macht es mehr Spaß, wenn man trifft … 😉

Auch mit der Mädels-Truppe hat es Spaß gemacht! Konzentriert beim Schuss, aber dazwischen und beim Laufen von Ziel zu Ziel gut unterhalten. Wir mussten lachen, als sich herausstellte, dass wir alle vier mit einem kurzen Auszug von 24,5″ „gesegnet“ sind …
Nach etwa sechs Stunden am Gut angekommen, gab es noch die komplette Essensauswahl. Das „pulled pork“ war hervorragend! Aber auch sonst hat die Helfertruppe uns gut und reichlich verpflegt, und die Organisation war professionell und „eingespielt“.
Die Sonne lachte das gesamte Wochenende, besser hätten die Veranstalter das Wetter gar nicht bestellen können.

Da Stefan und ich ja noch ein paar Stunden vor uns hatten, haben wir uns noch vor der Siegerehrung verabschiedet. Am Hotel die Koffer „ausgelöst“, Bogen verstaut und dann ging es zurück nach Wuppertal. Auch diesmal war der Verkehr erstaunlich flüssig! In Wuppertal trennten sich unsere Wege und gegen 19 Uhr war ich zuhause.

Das Turnier hat großen Spaß gemacht und war ein tolles Erlebnis! Dass es vornehmlich für technische und System-Schützen und auch für diese anspruchsvoll ausgelegt ist, bekamen natürlich hauptsächlich die BHR-Schützen zu spüren. Aber auch die haben sich achtbar geschlagen – Bange machen gilt nicht! Jedenfalls machte das 3D-Masters Lust auf mehr, und ich habe mir fest vorgenommen, im kommenden Jahr wieder mit dabei zu sein.
Die Regeln werden ab und zu modifiziert, aber ich hoffe, die „Bekannte Runde“ bleibt erhalten – da sie für mich ein ideales Training darstellt. Und den Range-Finder werde ich nochmal testen, wenn in Kürze in meinem FITA-Verein das Außengelände freigegeben wird. Denn die Visierskala soll ja stimmen … 😉

Vielen Dank, Claus, Volker und Uwe und allen Helfern für das tolle Wochenende!

2 Kommentare

  1. Die Lokalpresse hat einen schönen Bericht über das Turnier veröffentlicht! Leider kann man unter dem Link
    https://www.dieharke.de/Lokales/Lokalsport-7/44740/Freundschaftlich_sportlich_hochklassig_.html nicht den kompletten Artikel lesen. Die Veranstalter haben mir dankenswerterweise einen Scan zur Verfügung gestellt:
    http://wp.me/a6t6CS-1oEhH

    Liken

  2. Pingback: Entfernungen schätzen | 3D-Bogensport

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