Nicht zielen, dann triffst du!

„Ein praktischer west-östlicher Bogenweg“
Jens Mellies, Books on Demand, ISBN 3-8311-4157-6

Dieses in zweiter Auflage bereits 2003 erschienene Büchlein beschreibt den Bogenweg des Autoren. Jens Mellies hat sich das Intuitive Bogenschießen selbst beigebracht – orientiert am Gedanken des ZEN, aber als in unserer Kultur „lebbare“ Erfahrung.

Durch einen Kurs bei Kurt Österle infiziert, kauft sich der Autor eine einfache, aber funktionelle Ausrüstung, bastelt sich einen Schießsack und übt in seinem Garten. Für ihn hat das Bogenschießen keine sportliche Komponente. Für ihn spielen folgende Punkte eine große Rolle:

  • Einlassen
  • Dranbleiben
  • Körperwahrnehmung
  • „westlicher“ ZEN: Wahrnehmung, absichtsloses Tun, Achtsamkeit und Gelassenheit

Das Büchlein als „Anleitung“ zu verstehen, wäre eine Überforderung. Jens Mellies hat in der zweiten überarbeiteten Ausgabe Tipps zur Anschaffung der Ausrüstung und einen Übungsplan integriert, aber eigentlich geht es ihm um etwas anderes: anhand seines persönlichen Weges darzustellen, was das Bogenschießen sein kann. Wichtig ist dem Autor die Konzentration auf das Tun, er nennt es das „absichtslose“ Tun.

Letztlich unterscheidet ihn das aber gar nicht vom „sportlichen“ Bogenschützen. Denn auch wir, die wir an der Schießlinie oder am Pflock stehen, erreichen nur unser Ziel, in dem wir uns auf unsere Handlung konzentrieren. Ein guter Schuss fühlt sich gut an, es geht um die Wahrnehmung, das Fühlen, den Fokus auf unserem Tun. Und die Wiederholung des Tuns in der Absicht, dieses gute Gefühl wieder zu erleben.

Das Büchlein kann ein Helfer für alle Bogenschützen sein, denn es macht die mentale Komponente des Bogenschießens bewusst. Sich in dieser absichtslosen Stimmung auf 5-10 m an die blank bale zu stellen, jeden einzelnen Schuss achtsam erleben, fühlen, den Körper spüren … sich versenken in die Handlung. Das tut gut!

Nicht zielen, dann triffst Du!

Meine Ausgabe hat ein anderes Cover (YinYang-Symbol)!

„Nicht zielen, dann triffst du!“ liest sich flott, der Autor holt mit seiner Sprache sowohl den Anfänger als auch den Geübten ab. Er gibt auch zu, dass man sich als reiner Autodidakt nicht weiterentwickelt. Ein wenig ärgerlich sind die enthaltenen Rechtschreibfehler. Aber die Gedanken sind wertvoll, und es lohnt, sich immer wieder mal mit einzelnen Kapiteln zu beschäftigen. Insofern ist es kein Buch für den einmaligen Gebrauch, sondern eher als eine Art Begleiter auf dem eigenen Bogenweg zu sehen. Dafür gibt es am Ende Leerseiten für eigene Notizen.

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Passend zum Thema hat Jean-Christoph van Oertzen einen Artikel über die mentalen Aspekte des Bogenschießens veröffentlicht.