Instinkte…

Am 1. November hatte ich mal wieder bei unserem „Vereinstrainer“ Jens mittrainiert. Weil wir so viel Spaß hatten, wurde es langsam dämmrig. Vereinskamerad Stephan und er wollten noch auf den Parcours. Gelegenheiten muss man nutzen! Also habe ich mich angeschlossen…

Die ersten Stationen konnten wir noch gut erkennen, danach brach die Nacht herein. Es war eine überaus spannende Erfahrung, sich im Dunkeln zu bewegen. Der fast volle Mond am wolkenlosen Himmel ließ uns genug Licht unseren Weg zu finden und die Ziele einigermaßen ausmachen zu können. Natürlich war es von Vorteil den Parcours zu kennen, aber nachts wirkt alles anders. Manche Stolperfalle im Wald, die sich tagsüber manchmal wie der Tigerkopf in „Dinner for One“ in den Weg stellt, war bei achtsamem Gehen plötzlich nicht mehr da. Auch das Schießen veränderte sich durch den mehrheitlichen „Ausfall“ der Augen. Man war gezwungen sich in das Ziel hineinzudenken! Hinschauen, abschätzen, in sich hineinhören, mit dem Ziel in Verbindung treten… eine ganz besondere Erfahrung! Denn wir musten ja besonders achtsam sein: geht beim Nachtschießen ein Pfeil daneben, findet man ihn vielleicht nicht wieder…

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Bild: Stephan Fischer

Diesen Steinbock haben wir auf ca. 40 m geschossen. Mit dem Langbogen hatte ich bei Tageslicht häufig Probleme, normalerweise schießen wir ihn auf mindestens 50 m und meine Pfeile landen im Regelfall ein paar Meter vorher im Matsch. Der Tunneleffekt der Schneise macht den Schuss auch nicht einfacher… Natürlich erleichterten mir die verkürzte Entfernung und der Abschusspunkt auf derselben Ebene die Sache, aber in diesem Waldstück war es besonders finster, der Steinbock stand gewissermaßen im Nichts…
Entsprechend stolz war ich auf diesen Treffer!

Im Mondlicht haben wir dann ein wenig auf den Scheiben trainiert. Stefan holte seine LED-Baulampe, beleuchtete damit eine Scheibe und wir ließen die Pfeile fliegen. Aber auch ohne Beleuchtung war es interessant! Alternativ die Scheibe im Blitzlicht… wir haben alles ausgekostet! Besonders im Dunkeln gelangen mir Gruppen, die ich bei Tageslicht noch nie erreicht hatte.
Die Instinkte schulen…

An diesem Abend wurde mir klar, warum wir bei Jens immer wieder bewusst mit geschlossenen Augen schießen. Unser Sehsinn trübt unsere Intuition, wie schnell bewerten wir etwas – nur weil wir es sehen. Dabei läuft Kommunikation und Verständnis ganz anders ab. „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Dieses Zitat aus dem „Kleinen Prinz“ gilt auch beim Bogenschießen…

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Heute morgen habe ich via Facebook die Homepage einer Lehrerin entdeckt, die eine Bogen-AG leitet.
Auf ihrer Homepage möchte ich vor allem auf den Artikel „Aufrecht ins Glück?“ verweisen (auf der Seite nach unten scrollen)! Es geht nämlich nur vordergründig um die aufrechte Körperhaltung… 😉

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Wenn ich Muskelkater bekomme, dann immer erst zwei Tage nach der ungewohnten Belastung. Heute habe ich Muskelkater im linken Oberschenkel. Irgend etwas habe ich also am Mittwoch mit meinem neuen Bogen anders gemacht als sonst. Die Schultern fühlten sich gestern „schwer“ an, aber durch mein achtsames Arbeiten, das Aufwärmen mir dem „Terrorband“ (© CC 😉 ) und dem Dehnen hinterher gibt es keine „Nachwehen“. 😉

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In wenigen Stunden ist die erste Arbeitswoche dieses Jahres geschafft! Das Trainingslager mit und bei CC hat mir soviel An- und Auftrieb gegeben, dass sich diese Woche sehr viel bewegt hat – in und mit mir!
Heute kann ich zu mir sagen: ich bin glücklich und dankbar!

Danke für das positive Feedback zu diesem Blog – es freut mich, wenn ich ein wenig meiner Faszination weitergeben kann.
Ein wenig von diesem guten Gefühl und ein schönes Wochenende wünsche ich euch! :wave: