Gedanken …

Dr. Alan Goldberg

Dr. Alan Goldberg

Dazu schreibt er weiter: „You can’t force yourself to play well, you have to learn and then just let it happen!“

Mein Trainer hat mir vor einiger Zeit geschrieben: „Du kannst es durch nichts beschleunigen.“

Wenn man in meinem Alter etwas Neues beginnt, glaubt man „nicht mehr soviel Zeit“ zu haben. Meine gleichaltrigen Trainingskollegen und Bekannten schauen jetzt schon auf 10-20 Jahre Erfahrung zurück. Vielleicht haben sie den Zenit ihrer sportlichen Entwicklung noch vor sich, aber sie hatten die Möglichkeit sich über einen langen Zeitraum dorthin zu entwickeln. Werde ich diese Möglichkeit (noch) haben?

Vielleicht wird es deutlicher, wenn ich einen Vergleich wage … Ein Trainingskollege von mir hat nun über ein Jahr keine Turniere geschossen, rein an der Technik gefeilt. Er ist jung, irgendwann wird er sicher wieder Turniere schießen. Für mich ist das bewundernswert – und doch keine Option, auch wenn meine Technik zu wünschen übrig lässt. Mein Zeithorizont ist ein anderer: vielleicht kann ich mir nächstes Jahr eine Turnierteilnahme finanziell oder gesundheitlich nicht mehr leisten. Also will ich es „jetzt“! Denn dann habe ich es zumindest miterlebt, auch wenn meine Leistung objektiv schlecht ist.

Warum mir Turniere so wichtig sind, konnte ich noch nicht vollständig ergründen. Zumal es in meinem Bekanntenkreis viele Schützen gibt, die gänzlich auf Turniere verzichten und einfach aus Spaß an der Freunde in den Parcours gehen ohne etwas zu erwarten. Und die schießen dann oft besser als ich … 😉
Wenn ich etwas lerne, möchte ich Fortschritte erleben. Und die kann ich beim Bogenschießen meines Erachtens am ehesten bei einem Turnier überprüfen. Und ich glaube auch, dass ich mit der Scheibenangst nicht umgehen lerne, wenn ich mich jeglichem „Druck“ entziehe. Natürlich ist eine Turniersituation Stress, aber ich empfinde es als positiv. Zumal für mich das Drumherum schön ist: neue und bekannte Leute treffen, interessante Parcours, das Gemeinschaftserlebnis und das Zugehörigkeitsgefühl. Da werden die Ringe/Punkte nebensächlich – müssen es bei meinem „Leistungsstand“ auch sein. Auch wenn ich versuhe, jeden Schuss so gut woe möglich zu machen. Denn meine Ergebnisse entsprechen eher „Eddie the Eagle“

Gerne möchte ich mich „verbessern“. Denn Entwicklung und „Leistung“ macht Spaß! Da in meinem Hauptberuf die Langeweile bis zu Rente vorgezeichnet ist, habe ich meine Lust an Leistung auf das Bogenschießen übertragen. Sich in eine Sache „hineinzuhängen“ lohnt, wenn auch etwas dabei „herauskommt“ (Thema Erwartungshaltung – und die Relation von Einsatz und „Gewinn“), im besten Falle Selbstvertrauen und -bewusstsein. Vielleicht ist es die „letzte Möglichkeit“ für mich persönlich eine Entwicklung anzustoßen – zumal mir mehr und mehr bewusst wird, dass die geistige Entwicklung im Bogenschießen eine viel größere Komponente ist als die Motorik. Natürlich ist das Üben der Technik die Grundlage, damit sie ins Unterbewusstsein eindringen kann. Aber fühlen, empfinden, nachdenken, der Umgang mit mir und meinen Gedanken … Da stolpert man über alte Muster, verdrängte Themen und muss sich mit seinen Ängsten und Fehlern auseinandersetzen. Und das ist oft unbequem und alles andere als einfach.
Und man schießt auch nicht gegen einen „Gegner“, sondern immer gegen sich selbst: den inneren Kritiker und Perfektionisten, zumindest geht es mir so. Auch da wartet noch viel Arbeit …

Ein geduldiger Mensch war ich nie. Aber Erzwingen-Wollen hilft eben auch nicht. Ich kann meine Technik nicht ins Unterbewusstsein verlagern, wenn sie nicht gesichert und wiederholbar abläuft. Und das geht nur über stetiges Üben – das heißt aber nicht stures „Ballern“ einer bestimmten Pfeilzahl (wie ich es letztes Jahr noch oft versucht habe, natürlich ohne wirklich vorwärts zu kommen), sondern Wahrnehmen, Fühlen, den Fokus auf das Tun richten. Und es gibt es noch viel mehr Komponenten, von denen ich bislang keine wirklich wahrgenommen oder auch nur „angekratzt“ habe:

wettkampf

aus Oliver Haidn: „Bogenschießen“

… und das ist eine Lebensaufgabe!

Wobei ich da noch „Freude am Tun“ und „Selbstvertrauen“ ergänzen würde (vermutlich sieht Oliver Haidn beides als Grundvoraussetzung) … wobei man ohne das Erste sowieso nichts erreicht (vor allem keine innere Zufriedenheit)! Und das Zweite entsteht nicht „von selbst“. Ich stehe immer noch am Anfang des Weges und hindere mich oft selbst am Vorwärtskommen. Letztlich kann ich nur jeden einzelnen Pfeil so gut wie möglich schießen. Jeder Schuss ist der einzige, auf den es ankommt!

Wie schreibt Alan Goldberg: „Du kannst nicht erzwingen, gut zu spielen. Lerne – und dann lass‘ es geschehen …“

Ein Kommentar

  1. Sille · April 2, 2016

    Kompliment für die offenen Worte. Vielleicht auch interessant: Mein schon etwas älterer Artikel über das „Probieren“: http://solutus.de/es-hat-sich-aus-probiert/

    Allgemein werden dauerhafte (mit Betonung auf DAUERHAFTE), positive Entwicklungen und Fortschritte ausbleiben, solange der negative Prozess der Goldangst dazwischenfunkt. Da kann man sich so viel Zeit für nehmen wie man will und daraus auch eine „Lebensaufgabe“ machen. Plausible Methoden, die normalerweise Fortschritte bringen, haben gegen ein von Paradoxien geprägtes Phänomen eben keine Chance. Das hat auch nix zu tun mit Geduld oder Wettkampf.

    #dranbleiben #lassdichnichtverrücktmachen #backtension

    😉

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