Ab in den Wald!

In der Wikipedia liest sich die Definition des Roving ziemlich nüchtern:
„Roving bezeichnet das Schießen auf natürliche (nicht-lebendige) Ziele wie Baumstrünke und Grasnarben. Roving eignet sich gut zum Trainieren unterschiedlicher Distanzen aus unterschiedlicher Haltung.“

Wie viel Spaß das macht, steht nicht dabei!
Nachdem das Wetter heute besser war als erwartet, habe ich zwischen Facharztbesuch und Katzenbetreuungen eine Roving-Runde eingelegt. Ziemlich spontan, in „Normal“-Klamotten, lediglich zwei alte Holzpfeile mit Gummiblunts versehen, den Bogen eingepackt und los in den Wald! Ich musste lediglich eine Zeit lang zu Fuß einem Reitweg folgen, um in das Gebiet zu kommen, in das ich wollte: nicht in ein Stück „gefegten“ Nutzwald, sondern ein Areal, das wild wuchern darf und in dem viel Totholz liegt.

Verhaltensregeln beim Roving

Rechtlich ist es so, dass der Wald zur Sportausübung betreten werden darf – und der Bogen ist ein Sportgerät. Sollte man allerdings einem Jäger oder Förster begegnen, tut man gut daran, spezielle Rovingpfeile zu haben. Und da scheiden sich die Geister. Ein Gummiblunt wird eventuell als Jagdpfeil gesehen, da man damit beispielsweise Niederwild erlegen könnte. Es gibt aber spezielle Rovingspitzen. Oder man nimmt einfach einen LARP-Pfeil. Sieht vielleicht nicht so cool aus, aber damit darf man draußen spielen. 😉

Ob man die Waldwege verlassen darf, kommt darauf an. Ich habe es jedenfalls getan, denn ich wollte weder mit Spaziergängern, Gassigängern, Mountainbikern noch Reitern in Kontakt kommen. Sonst muss man sich eh‘ nur rechtfertigen… :-/
Insofern war es spannend: ich hatte das Gefühl, etwas „Verbotenes“ zu tun – das doch gar nicht verboten ist!
Beim klassischen Roven geht man mit einem (=1!) Pfeil los. So habe ich es auch gemacht. Bogen und Pfeil schön in der Hülle verstaut, habe ich also mein „Jagdgebiet“ aufgesucht, den Bogen aufgespannt und erst mal die Natur auf mich wirken lassen.
An den Bäumen und Sträuchern treiben die Knospen. Die Vögel singen und zwitschern um die Wette. Wo etwas mehr Licht hereinkommt, wachsen die Blätter unbekannter Pflanzen in die Höhe. Im Hintergrund die Fahrzeuggeräusche der A57… Der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten!

Nachdem ich die Bogenhülle und die Spannschnur im Moos einer Baumwurzel verstaut hatte, konnte ich los gehen. Was würde mein erstes Ziel? Ein toter Baum, der herumlag. Auf das Totholz fokussiert, Bogen heben, spannen, ankern und los damit. Der Pfeil berührte den Baum an der Stelle, die ich hatte treffen wollen und sprang aufgrund des Gummiblunts zurück. Weiter geht’s…
Die umgekippten Bäume hatten alle noch Wurzeln! Das waren prima Ziele! Denn einerseits hielten sie den Pfeil fest, andererseits waren die Wurzeln morsch. Auf verschiedene Entfernungen habe ich also Wurzeln „erlegt“.
Kein bisschen Ankerphobie! Ich bewegte mich, sah eine passende Wurzel und spulte einfach meinen Schussablauf ab! :wave:
Zweimal ging der Pfeil auch daneben, da musste ich eben ein wenig suchen.
Schließlich passierte es dann: eine Wurzel hatte tief im morschen Bereich doch noch eine harte Stelle. Der Gummiblunt wurde von der Wucht des Aufpralls durchstoßen und die Spitze des Pfeils steckte tief drin. So tief, dass ich beim Herausziehen den Holzpfeil abbrach. Und ich habe auch die Spitze nicht herausbekommen.
Schade! Aber o.k.
„Ein Pfeil ein Leben“.

Allgemeine Regeln für Roving

Es war so schön!
Ich habe einfach „frei“ vor mich hin geschossen und hatte Spaß! Es hatte etwas von der Leichtigkeit des Indianer-Spielens in der Kindheit.
Das werde ich nun bestimmt öfter mal machen. Zumal meine Schießbude zu Hause doch nicht so „narrensicher“ ist. Da ich gestern geübt und das Korrigieren zweimal vergessen habe, habe ich nun zwei Löcher in der Wohnungstür… 🙂

Ich werde nun gleich einen weiteren Pfeil mit einem Blunt versehen, dann habe ich wieder zwei.
Und nächstes Mal werde ich besseres Schuhwerk anziehen und ein Messer mitnehmen. 😉

Man sitzt also nicht nur viel zu wenig am Meer, sondern man geht auch viel zu wenig in den Wald! ❗