Berlin, die zweite …

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ hieß es für meinen Trainingskollegen Andreas und mich bereits am Donnerstagnachmittag.

Denn wir waren nicht nur zu den Berlin Open gemeldet (2015 siehe hier!), sondern ziemlich spontan auch noch zu einem Compound-Seminar mit Dave Cousins.

Trotz Berufsverkehr kamen wir relativ zügig durch und waren nach knapp sieben Stunden im Hotel. Nachdem ich mein Gepäck in einer wahren „Räucherkammer“ abgestellt hatte (und mich deshalb gleich beschweren ging), folgte die Strafe auf den Fuß: ich blieb im Aufzug stecken. Zum Glück zusammen mit der Empfangsdame, Zeugen sind manchmal hilfreich. Das Selbe passierte nochmal, so dass ich lieber das Treppenhaus benutzte. Zum Glück wohnte ich nur im zweiten Stock … Endlich konnten wir uns im Hotelrestaurant stärken, und nach einem Burger und zwei Bier war alles wieder gut. 😉

Außer die eklige Räucherkammer natürlich, zum Glück konnte ich noch Freitag früh in das Haus 2 umziehen, diesmal in den sechsten Stock. Nie wieder Haus 3! Und dass man mich ungefragt in ein Raucherzimmer gestopft hatte, gibt definitiv Abzüge in der B-Note.

Am Freitag wurde ich jedoch positiv überrascht durch das reichhaltige Buffet, das für die Turnier-Teilnehmer in einem separaten Frühstücksraum bereitet war. Wobei man allerdings Hauptstadtpreise akzeptieren musste. Im Sportforum hätte man deutlich günstiger frühstücken können, aber eben mit dem Charme des alten DDR-Foyers.

Andreas und ich machten uns auf nach Schöneberg zu est-Bogensport, wo das Seminar stattfinden sollte – und landeten erstmal in Schönefeld. Doof, wenn es die Tempelhofer Str. zweimal gibt. Dank Google-Maps kamen wir aber doch noch gerade rechtzeitig, um unsere Bögen aufzubauen und einen Kaffee zu trinken. Über das Seminar werde ich einen gesonderten Blogbeitrag erstellen, wenn ich eine Freigabe für mein Video von Dave Cousins habe.

Jedenfalls hat es eine Menge Spaß gemacht, wir haben viel gelernt und konnten die Tipps von Dave und Paul (Tedford als Assistenztrainer) gut umsetzen.

Danach ging es die gute halbe Stunde zurück zum Hotel. Andreas setzte mich ab und ging noch trainieren. Denn er war bereits Freitagabend in Gruppe 1 dran, so wie ich im Jahr zuvor. Ich hatte gewissermaßen frei, denn ich war erst in Gruppe 4, würde also erst am Samstagnachmittag schießen. Da ich beim Seminar alle Speichermedien vollgefüllt hatte, fuhr ich mit der Tram zum Alex und konnte im dortigen Elektronik-Kaufhaus eine Speicherkarte erstehen. Ich ging noch ein wenig über den Weihnachtsmarkt und fand mich dann später im Sportforum ein, um die Wettkämpfe zu beobachten. Bei der Gelegenheit traf ich gleich ein paar Bekannte, man kam ins Quatschen und es war ein schöner Abend.

Interessant war eine besondere Ehrung: ein Recurve-Schütze hat sich vorgenommen, im Jahr 2016 in allen 16 Bundesländern jeweils ein Turnier zu schießen! Und er hat es tatsächlich geschafft: Berlin war die letzte Station! Dafür erhielt er von den Veranstaltern ein Geschenk.

Nach der Hauptrunde ging es zurück ins Hotel, und wir trafen uns später wieder im Hotelrestaurant zum Essen. Da mir der Magen auf Kniekehlen gehangen hatte, hatte ich allerdings bereits im Sportforum gegessen, so dass ich es bei einem Bier bewenden ließ.

War das eine Wohltat, am Samstag in einem „geruchsneutralen“ Zimmer aufzuwachen!

Nach dem Frühstück ging ich zum Training – ich wollte noch ein wenig üben, zumal ich das beim Seminar Gelernte umsetzen wollte. Das Training fand in einem alten Schwimmbad statt, das man zur Bogenhalle umgebaut hat! Der „DSB Bundesstützpunkt und Olympiastützpunkt“ hat daher einen, wie in Schwimmbädern üblich, schrägen Boden! Die Scheibenständer waren entsprechend angepasst, so dass man „geradeaus“ schießen konnte. Aber es machte Sinn, als klein Gewachsener die Scheibe so auszuwählen, dass man sich beim Pfeile ziehen nicht verrenken musste. Schmunzeln musste ich aber, als sich Stephan Hansen, der nur wenig größer ist als ich, sich trotzdem an die Scheiben mit den hohen Streben stellte.

Ich hatte mir vorgenommen, 30 Pfeile zu schießen. Nicht mehr, weil ich körperlich durch meine Krankheiten der letzten Monate völlig außer Form war. Außerdem standen mir ja noch die 60 Pfeile der Hauptrunde bevor. Und am Freitag beim Seminar hatten wir ebenfalls ausgiebig geschossen!

Am frühen Nachmittag konnte ich noch meine Freundin Tina besuchen, die mich im Vorjahr beherbergt hatte. Dieses Jahr wäre es unpraktisch gewesen. Zum Einen hat sie am Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt gearbeitet, zum Anderen hatte sie gerade eine akute „Seuche“, und das brauchte ich wirklich nicht nochmal.

Gegen 14:45 Uhr war ich wieder in der Halle. Und eine Stunde später fing „mein“ Durchgang an.
Für mich lief das Turnier erfreulich! Trotz meiner wochenlangen krankheitsbedingten Totalausfälle, neuem Bogen, körperlich/geistiger Erschöpfung und mit dem am Freitag noch im Seminar geänderten Auszug konnte ich meinen Schussablauf oft sauber abarbeiten und daher meine Ringzahl im Vergleich zum Vorjahr sogar steigern. War auch ziemlich entspannt!
Allerdings baute ich ich im zweiten Durchgang körperlich extrem ab. Die letzten fünf Passen waren kräftemäßig extrem zehrend! Ich konnte kaum noch den Bogen halten, und so gab es deutlich mehr Sechser als Neuner. Aber immerhin!
Insgesamt habe ich deutlich weniger „Fahrkarten“ geschossen als 2015, und diese M waren auch nicht „irgendwo“, sondern alle auf der Auflage, also nicht weit weg von den Spots. Nur ein M war ein Verreißen durch Target Panic, die anderen, weil ich aus dem Rhythmus kam oder den Bogen nicht genug in Richtung Ziel drückte. Es ist also eine positive Entwicklung zu sehen!
Für mich ist das ein Erfolg und ich bin völlig zufrieden. Da stört es auch nicht, dass ich mit unter 500 Ringen natürlich wieder die „rote Laterne“ trug.
Schade fand ich, dass „unsere“ Dänin so abweisend war. Sie hat sich immer nur mit ihrer Kollegin an der Nachbarscheibe unterhalten, uns dreien konnte sie nicht mal „Hallo“ sagen. Schade … 😦

Jedenfalls war ich so kaputt, dass ich mir im Restaurant ein überteuertes Wiener Schnitzel und ein Bier gab und sehr früh in der Falle verschwand.

Am Sonntag gab es die „Second Chance“: 15 Wertungspfeile in drei Passen auf die Berlin Open-„Blume“. Andreas war im zweiten und ich im dritten Durchgang dran.

Und hier lief es bei mir gar nicht! In der Einschießpasse stellte ich fest, dass ich mit der Vierfach-Scope-Linse „nichts“ sah! Die Auflage spiegelt sowieso etwas und die Rosetten-Spots sind sehr klein. Eigentlich habe ich sehr bewusst auf die Vierer-Linse gewechselt. Denn auf der Normal-Scheibe ist der Spot dann für mich nicht so „groß“, ich halte einfach ins Gold. Für meine Target Panic ist es gut, wenn ich nicht „zuviel“ sehe“. 😉 Hier jedoch ging das gar nicht, ich sah nicht richtig, wo ich meinen Bogen hinhalte. Nervös die Sechsfach-Linse herausgesucht und gewechselt. Die zweite Einschießpasse habe ich dadurch nicht mitgemacht. Und ich kam auch bei der Wertung nicht in den Tritt. Erst in der dritten Passe hatte ich mich einigermaßen gefangen, war gewissermaßen „warm“. Dann hätte ich entspannt schießen können, aber es war eben schon vorbei und mein Ergebnis desaströs, weniger als 50% der möglichen Ringzahl. Na ja, hilft nix. Nächstes Mal bin ich schlauer und tausche die Linse bereits vorher.

Kurz zum Hotel, den Rest packen und auschecken. Denn Andreas wollte natürlich nicht allzu spät Richtung Heimat losfahren.

Zurück in der Halle haben wir uns die Ausscheidungskämpfe der 16tel, 8tel, 4tel und Halbfinals angesehen. Mit meinen Scheibenkolleginnen Jennifer aus Berlin (Viertelfinale) und Karina aus St. Petersburg (Bronzemedaille) konnte ich mich herzlich freuen!
Karina Tumanova hat mich wirklich erstaunt: sie benutzt eine „Zeckenzange“ (Handgelenks-Release) und hält den Bogen mit angewinkeltem Bogenarm – aber ihr Bogen steht wie „eine Eins“, und sie schießt sehr konstant.

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Karina Tumanova (links)

Leider konnten wir das Rahmenprogramm und die Gold-Finals nicht mehr sehen: die Autobahn rief …

Wir sind gut durchgekommen und nach gut sechs Stunden trotz Pausen war ich zurück in Meerbusch. Vielen Dank für das Fahren, Andreas – und für die interessanten Musikeindrücke.

Das war wieder ein tolles Wochenende: Berlin macht einfach Spaß! Hoffentlich kann ich auch 2017 wieder teilnehmen!

„Hauptstadt.tv“ hat zum Glück die Finals dokumentiert … 🙂

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