Zen im Weg des Bogens

„Über die Kraft, aus der wir leben“
Kurt Österle, Verlag Via Nova, ISBN 978-3-86616-367-6

Kurt Österle, einst evangelischer Pfarrer, hat mit seiner Frau ein Seminarhaus aufgebaut, in dem Meditation, Yoga und Bogenschießen angeboten und gelehrt werden.
Nachdem ich in verschiedenen Magazinen und Büchern einiges über ihn gelesen habe, wollte ich nun einmal etwas von ihm lesen.

Zuerst erzählt der Autor von seinem persönlichen Weg, der steinig und gewunden verlaufen ist, ihn jedoch dorthin geführt hat wo er heute steht.

Wer dann glaubt, eine Anleitung zum meditativen Bogenschießen zu erhalten, kann sich von dieser Erwartungshaltung gleich verabschieden … 🙂
Der Bogen dient „lediglich“ als Wegweiser. Der Leser erfährt zwar, wie ein Bogenseminar aufgebaut ist, aber Kurt Österle hat ein ganz anderes Ziel als das Vermitteln intuitiven Bogenschießens. Anhand verschiedener Punkte im Schussablauf möchte er ein Bewusstsein schaffen, was diese einzelnen Schritte bedeuten.

Der „Stand“ lässt uns nachdenken über unsere Haltung und Standpunkte im Leben. Der „Anker“ soll uns bewusst machen, was Ankommen und Verankertsein bedeuten. „Lösen“ als bewusstes Loslassen, auch alter Glaubenssätze, Erwartungen oder Dingen, die uns nicht gut tun. Und vieles mehr …

Es ist schwierig zu beschreiben, was das Buch mit dem Leser macht. Das kommt sicher darauf an, inwieweit man sich auf diese Themen einlassen möchte. Denn bequem ist es nicht! „Wer schießt, um zu treffen, geht den einfachen Weg.“

Um wirklich einen Nutzen aus  ziehen zu wollen, sollte man sich am besten jeweils einzelne Kapitel vornehmen und sich die Zeit nehmen, darüber nachzudenken. Während Eugen Herrigel den persönlichen Weg beschrieb, wendet sich Kurt Österle definitiv an einen Leser und Schüler.

Das Buch ist keine einfache Lektüre. Denn nur wenn man sich auf die Themen einlassen kann, wird man Anregungen daraus ziehen. Mehr will das Buch auch nicht leisten, denn es gibt keinen Weg, dem man folgt oder folgen kann. Denn den Weg des Lebens (und des Bogens) muss jeder selbst gehen.
Je nach Naturell ist es vielleicht einfacher, ein Seminar in der Altbäckersmühle zu besuchen, um ein paar Tage abseits von Arbeit und Internet an diesen Lebensthemen zu arbeiten. Ob man dies dann in seinem Alltag umsetzen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Interessant ist die Lektüre des Buches allemal, wenn man zu einem besseren Verständnis seiner Selbst kommen möchte. Von Anfang bis Ende durchzulesen und es dann ins Regal zu stellen, wird wenig Gewinn bringen. Und ich habe für mich erkannt, dass ich in der Zeit zwischen dem ersten Lesen des Herrigel und jetzt des Österle nur wenige persönliche Fortschritte gemacht habe. Aber ich akzeptiere, dass es so ist – erzwingen kann ich es eh‘ nicht. „Loslassen“ bleibt beispielsweise ein Thema für mich. Manchmal sind die Schritte eben nur zentimeterklein, und manchmal geht es auch ein paar Schritte zurück, bevor es wieder vorwärts geht.

Ein Bogenlehrbuch ist „Zen im Weg des Bogens“ jedenfalls nicht und ein Lehrbuch des Zen auch nicht! Aber beides möchte es auch gar nicht sein … 😉

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