Fairness

Bei den ganzen Meldungen über Doping und den Umgang der Sportverbände damit bekommen die Olympischen Spiele (auf Schwäbisch gesagt) ein G’schmäckle …
Ob man beim Bogenschießen dopen kann? Vermutlich bin ich ein wenig naiv, aber einen Nutzen von illegalen Substanzen kann ich mir in dieser Sportart kaum vorstellen. „Zielwasser“ wäre jedenfalls kaum zielführend. Aber wer weiß: vielleicht stehen ein paar der Mittel, die ich krankheitsbedingt nehme, auf der Doping-Liste?

Jedenfalls lässt mich das Thema weiter denken: wie fair ist der Bogensport?

Das koreanische Frauenteam hat gesagt, dass sie von den Männern Tipps zum „Lesen“ des Platzes und des Windes bekommen haben. Aber die Koreanerinnen sind „auch so“ Weltklasse. Die Hinweise hätten auch vom Coach kommen können, also meines Erachtens alles legitim.

In Berlin habe ich beobachtet, wie bei einer Schützin eine Blutprobe genommen wurden. Grundsätzlich wird also auch der Bogensport hinsichtlich Doping überwacht. Gleiche Pflicht für alle Leistungssportler, das ist ja nur gerecht!

Letztes Jahr habe ich bei einem 3D-Turnier und bei Gesprächen mit erfahrenen Schützen Geschichten gehört, die mich dann doch etwas zweifeln lassen.
Da bekam ich zum Beispiel den eindringlichen Rat, meinen Bogen nicht aus den Augen zu lassen. Denn es könne sein, dass beispielsweise mein Visier oder Peep verstellt oder ein Stabi gelockert würde.
Schießen Bekannte oder Freunde in einer Gruppe, stehen auf den Schießzetteln wundersamerweise höhere Ringzahlen und man bekommt den Eindruck, da wird jemand protegiert.
Bei Sonnenschein „beschirmen“ sich FU-Schützen häufig, weil die Sonne im Scope blendet. Blöd, wenn dann ausgerechnet in der Expansionsphase ein „Windstoß“ den Schirm verreißt …
Oder man bekommt eine falsche Auskunft, wenn man im Lichteinfall das linke und rechte Target der Tiergruppe 4 nicht unterscheiden kann.
Bei Meisterschaften fällt auf, dass eine Nation oder Gruppe besonders erfolgreich ist … ob die wohl Insiderwissen über den Parcours haben?
Absicht kann man meist nicht nachweisen, und Unterstellungen mag ich nicht! Ich sehe unseren Sport als grundsätzlich fair an.
Oder bin ich nur naiv?

Fakt ist: mit meinem Leistungsstand werde ich niemandem „gefährlich“ – weder an der Scheibe noch im Gelände. Und gute Schützen merken so etwas natürlich schnell. Da braucht es keine Mauscheleien. Und da ich noch viele Jahre des Lernens vor mir habe, brauche ich wohl nicht misstrauisch werden. Aber auf die genannten Punkte kann ich ja trotzdem achten. Alleine weil man unabsichtlich einfach Fehler macht: sich zum Beispiel beim Schreiben versehentlich vertut (das ist mir auch schon passiert!), und eine zweite Meinung hilfreich ist.
Ich bin sehr dankbar für alle Tipps und Hilfen, die ich bislang bekommen habe. Sich gegenseitig zu helfen, finde ich eine sehr schöne Geste (auch) unter Sportlern!

Abgesehen davon: kann man sich über einen Sieg oder eine gute Platzierung freuen, den oder die man sich erschlichen oder durch unlautere Mittel erreicht hat?
Für mich unverständlich … oder ist selbst im 3D-Bereich der Druck durch Sponsoren oder Sportverbände so groß, dass einem „nichts anderes übrig“ bleibt? 😦

Ich möchte mir den Spaß an der Freude erhalten, und hoffe einfach darauf, dass es meinen KameradInnen auch so geht.
Naiv? Ehrlich und fair!

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5 Kommentare

  1. gabi1981 · August 10, 2016

    Das macht nachdenklich. Ich bin nicht wirklich leistungsorientiert, habe einfach Spaß an meinem Sport und muss nicht oben auf dem Treppchen stehen. Oft lege ich diesen Maßstab auch bei anderen an, was tatsächlich naiv ist.
    Doping ist schon eine Schande, aber was du beschreibst ist ja schon Sabotage. Das wäre wirklich unterste Schublade.
    Ich hoffe, wir bleiben beide weiterhin so „naiv“ und glauben an die Ehrlichkeit der anderen.

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  2. 3D-Bogenblog, Andrea C Schäfer · August 19, 2016

    Tja, so läuft es wohl im Leistungssport, zumal ich eine recht ähnliche Geschichte auch über die US-amerikanischen Paralympics-Schützinnen gelesen habe … 😦
    http://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/fuerstenfeldbruck/paralympics-bogenschiessen-vanessa-6666731.html

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  3. bowhunter · August 20, 2016

    Ich habe schon Dinger erlebt… …in den vier Jahren, in denen ich schieße, ich könnte einen ganzen Blog füllen.

    Wenn man betrügt kann man sich eigentlich nicht wohl fühlen, wenn man auf dem Treppchen steht. Es scheint aber Menschen zu geben, die das Treppchengefühl brauchen und den Betrug so weit verdrängen, dass ihnen der Pokal/ die Medaille/ die Urkunde verdient vorkommen. Mir unverständlich.

    Allerdings ist Missgunst und Neid auch nicht besser. Über mich habe ich auch schon so Dinge gehört wie: „Wenn die mit ihrem Mann schießt, ist die immer vorne!“ oder „Klar ist die 1., die hat ja auch geschrieben!“.

    Diesen Neid kennt jeder, der ab und zu vorne mitspielt.

    Meine Leistung ist auch, ich denke mal zum Glück, noch nicht so gefestigt, dass ich immer so gut bin wie an besonderen Tagen. An manchen Tagen läuft es halt gar nicht. Doof, wenn es dann die DM ist. Wenn der Startschuss gefallen ist, fängt mein Kopf an zu rattern und hinterfragt automatische Abläufe so lange, bis ich nicht mehr treffe. Für mich mental nicht so schlimm, allerdings kommen dann auch schon mal so Sprüche, wie: „Klar dass sie da nicht so gut ist, da wird ja doppelt geschrieben und man kann nichts mauscheln…“

    Der Umgang mit Pferden und Patienten hat mich gelehrt, dass nicht jedes Lebewesen jeden Tag gleich funktioniert. Man muss mit sich und den anderen Geduld haben. Ich freue mich, wenn ich auf dem Treppchen stehe, denn es ist schon ein tolles Gefühl. Ich freue mich auch für andere, wenn sie vor mir auf dem Treppchen stehen. Man muss die bessere Leistung anerkennen.

    Zum Thema Doping. Eigentlich ist es schon Doping, wenn Du Kopfweh hast und am Morgen eine Schmerztablette nimmst. Oder gegen die Aufregung einen Schnaps. Die Schulter tut weh? Auch dann ist es Doping, wenn Du etwas nimmst, um an einem Turnier teilzunehmen, Du könntest ja ohne das Schmerzmittel nicht. Was meinst Du, was einige Leute nehmen, um runter zu kommen. Ich habe gehört, es soll Schützen geben, die futtern das Ritalin ihrer Kids, damit sie konzentrierter bei der Sache sind. Zur Beruhigung gibt es ja auch was. Gut, wenn es nur Baldrian-Kaugummis sind und keine härteren Sachen. Hast Du keine Puste um die Berge hochzukommen. Asthma-Spray hilft da (da steht sogar drin, dass das dopingrelevant ist), obwohl ich da keinen wirklichen Vorteil für Bogenschützen erkennen kann.

    Und dann gibt es ja noch Substanzen, die unsereins gar nicht kennt. Und auch gar nicht kennen will!

    Eigentlich sollte man meinen, das wir Bogenschützen alle eine große glückliche Gemeinde sind. Das trifft bestimmt auch auf 90% der Schützen zu und ich glaube, das ist eine hohe Prozentzahl. Dumpfbacken und Querulanten gibt es überall. Oder auch Menschen, mit denen man einfach nicht warm wird. Da muss man dann durch, aber man sollte sich nicht alles gefallen lassen. Offen darüber reden hilft manchmal. Manchmal hilft nur, die Gruppe zu verlassen.

    Mir selber ist es noch nicht passiert, das jemand an meinem Bogen rumgefingert hätte. Allerdings wäre da auch nur der Nockpunkt, der auf die Schnelle verändert werden könnte. Bei den CU oder Olympisch Recurve ist dass da schon anders. Von dem einen oder anderen habe ich da auch schon gehört, dass da jemand an seinem Bogen gewerkelt hätte. Vorstellen kann und will ich mir das eigentlich nicht.

    Mein Schlusssatz? – Möge der Bessere gewinnen und es ihm keiner neiden!

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    • 3D-Bogenblog, Andrea C Schäfer · August 20, 2016

      Ich bin Asthmatikerin und nehme aufgrund meiner kaputten Bandscheiben auch immer wieder Schmerzmittel. Aber ich kann das durch ärztliche Befunde nachweisen! Mittel zum Weiten der Bronchen nützen nur dann was, wenn diese verengt sind. Das dürfte also beim Gesunden nichts nützen – aber mir, wenn ich aus der Luftnot und verengten Bronchien den Berg nicht hochkomme. Ich kann aber sehr gut unterscheiden, ob es mangelnde Kondtion oder tatsächlich asthmabedingt ist. Bislang konnte ich jedes Turnier ohne den Einsatz des Notfallsprays bestreiten, aber die normale Medikation setze ich zum Turnier natürlich nicht aus. Wie sich der Cortisonanteil bei einem Gesunden auswirkt, kann ich nicht sagen. Ein Heuschnupfengeplagter könnte es als Akutmittel einsetzen. Jedenfalls kann ich guten Gewissens die Einnahme melden, wenn es in Thema ist. Übrigens treiben viele Asthmatiker Ausdauersport, weil er der Lungenfunktion gut tut! Sogar im Leistungsbereich, wobei ich da auch schon gehört habe, dass Missbrauch mit Asthmamedikamenten getrieben wird … das wird sich aber irgendwann rächen.
      Zur Beeinflussung des Geistes fallen mir schon ein paar Sachen ein, vieles pflanzlich. Aber im Regelfall muss man einen „Spiegel“ aufbauen, das nützt einem im Turnier nichts (im Gegenteil könnte es hochdosiert sogar behindern!). Und einen erkennbar Alkoholisierten lässt man hoffentlich nicht auf den Platz oder in den Parcours!

      Danke für den Schlussatz – so sehe ich das auch!

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  4. 3D-Bogenblog, Andrea C Schäfer · August 25, 2016

    Am 25.08.2016 widmet sich 3sat dem Thema Doping. Die Reportage stellt klar, dass leistungssteigernde Methoden längst im Breitensport und Jugendbereich angekommen sind. Nach der Ausstrahlung auch in der Mediathek zu sehen:
    http://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/188141/index.html

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