Zwei Jahre!

Viele meiner Bogenfreunde werden jetzt schmunzeln, denn viele schießen sehr viel länger, manche sogar zehnmal so lange. Trotzdem ist es für mich eine Art „Geburtstag“, dass ich das Bogenschießen für mich entdeckt habe.

Und was habe ich nicht alles in diesen zwei Jahren erlebt! Von meinem Ersten Schritt ausgehend hat sich sehr viel entwickelt.

Am meisten habe ich sicherlich für mich persönlich gelernt, und jeder weitere Schritt bedeutet neues Lernen!

Zuerst hat mich das Bogenschießen raus in die Natur gebracht. Sonst eher ein Bücherwurm und Stubenhocker, der wegen den Bandscheibenbeschwerden nur widerwillig zum Sport ging, entwickelte ich mich zu jemand, der sich gerne bewegt. Im Parcours geht es eben nicht nur um das Schießen alleine. Man erlebt die Jahreszeiten viel intensiver! Und selbst jetzt, wo ich aus gesundheitlichen Gründen nicht schießen darf, gehe ich wenigstens spazieren oder schwinge mich aufs Fahrrad. Bewegung hilft im Alltag, macht Freude und natürlich dient sie auch der körperlichen Entwicklung beim Schießen. Im Training habe ich dazu viele nützliche Übungen, beispielsweise mit dem Theraband, gelernt.

Außerdem lerne ich viele Leute kennen: jung und alt, Männlein und Weiblein, unterschiedliche Lebens- und Berufswege … Mögen wir auch noch so verschieden sein, so eint uns die Freude am Sport. Als Mannschaft zum Turnier zu fahren macht Spaß! Gemeinsam an der Schießlinie zu stehen, macht Freude. Und als Gruppe im Parcours unterwegs zu sein, macht gute Laune. Es ist schön, gemeinsam aktiv zu sein und (neue) Freunde zu finden!
Manche entfernen sich allerdings auch wieder … Die beiden Kumpels, die mich zum Bogenschießen „verführt“ haben, wurden schon ein Jahr später nicht mehr gesehen. Und einer aus unserer Trainingsgruppe sagte mir mal: „was ich lernen wollte, habe ich gelernt“, seitdem kam er nicht mehr zum Training und hat auch ein neues Hobby gefunden. Unsere „Sonntagsrunden“ im Parcours sind daher leider Vergangenheit.

Meine Ausbildungen (Bogenjagd, Übungsleiter und Trainer 1) gaben mir neue Einblicke in unseren schönen Sport. Und je mehr ich lerne, desto mehr wird mir bewusst, was ich alles NICHT weiß!

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von „Memrise“ – Facebook

Was ich mir zu Beginn nicht habe vorstellen können, ist, welche Schule das Bogenschießen für die Persönlichkeit ist! Der Bogen spiegelt das Ich, nach außen und nach innen.
Ob es nun „ganz einfach“ nur Vorbehalte gegenüber bestimmten Bogenklassen und deren Schützen sind – und ich dies durch meine eigene Entwicklung komplett über Bord geworfen habe.
Oder die Target Panic. Wer weiß, ob ich noch schießen würde, hätte ich nicht Compound und Visier für mich angenommen. Denn „erledigt“ ist das Thema nicht, ich habe nur für mich einen Weg gefunden, damit umgehen zu können.
Körpergefühl entwickeln … das spiegelt sich nicht nur in der Schießtechnik. Sondern führt auch zu Fragen: „Wie gehe ich mit mir um?“, „Was spüre ich?“. Da stehe ich noch am Anfang. Erst jetzt beginne ich im Ansatz zu „fühlen“, was ich tue – und lerne aktiv damit zu arbeiten.
Ein geduldiger Mensch war ich nie. Wie schrieb mir mein Trainer mal: „du kannst nichts beschleunigen und nichts erzwingen“. Trotzdem ertappe ich mich immer wieder mal dabei. Weil meine Kollegen so viel „besser“ sind als ich – zumindest empfinde ich das so. Weil ich einen Anspruch an mich selbst habe. Und weil ich immer wieder Quantität als Qualität ansehe und meine, dass die Anzahl geschossener Pfeile etwas über das Lernen aussagt …
Selbst wenn man ein gewisses Talent für etwas haben sollte: ohne Arbeit geht es nicht! Um besser zu werden und seine Ziele zu erreichen, muss man sich „schinden“, es fällt einem nichts zu. Und diese Arbeit mit Freude ausführen, nur dann werden sich die Fortschritte zeigen.
Aus dem „HätteKönnteSollteMüsste“ muss ein Tun und Machen werden, sonst ändert sich nichts!
Durchhalten, auch wenn es schwer wird – ein weiteres Thema …
Der Bogen reflektiert auch nach innen. Was macht mich aus? Wer bin ich? Da kommt manches zutage, was man lieber verdrängt. Die unbequemen Persönlichkeitsanteile. Die anzunehmen, ist eine Aufgabe. Zulassen. Und dann auch loszulassen. Zu sein, wie man ist. Keine Rolle zu spielen, sondern authentisch zu sein – auch wenn das unbequem ist! Und wenn man etwas an sich ändern möchte, es auch zu tun und keine Ausreden zu finden oder sich ständig zu rechtfertigen …
Das heißt auch, sich Ziele zu setzen. Nicht nur fürs Schießen, sondern was man für sich selbst entwickeln möchte. Das ist schwieriger, als es beispielsweise das Arbeiten auf eine Prüfung ist. Mache ich einen Lehrgang, weiß ich das konkrete Ziel: den Abschluss. Bei der Persönlichkeitsentwicklung gibt es ja „lediglich“ Schritte, denn „fertig“ ist man nie …
Ziele, ja das sind eben auch unsere Targets. Wie leicht konzentriert man sich dann darauf statt auf sich selbst. Nicht nur die Scheibenangst kann sich dadurch entwickeln. Zum Bogenschießen gehört auch, jetzt genau im Moment zu leben. Widme ich dem Gummitier oder der Scheibe mehr Aufmerksamkeit als mir selbst, zeigt das die Wertigkeit der Dinge.

Dag Hammarskjöld sagte einmal: „Die längste Reise ist die zu sich selbst.“
Auf einer Zitate-Seite habe ich vieles gefunden, das zum Nachdenken anregt. Ein sehr weiser Mann …

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Jeder kann fallen – wichtig ist, wieder aufzustehen!

Derzeit nicht zu schießen zeigt mir, dass das Bogenschießen ein sehr wichtiger Teil meines Lebens geworden ist. Es macht mich „lebendig“. Ich kann und darf lernen und mich entwickeln. Es fordert mich heraus. Und es gibt mir auch die Möglichkeit, mich auszudrücken, zum Beispiel durch dieses Blog. Mir fehlt das regelmäßige Üben, das Training und mir fehlen auch die Menschen. Immerhin besteht Kontakt über Facebook und zu meinen Lesern.
Natürlich mache ich meine Tennisarm-Übungen, visualisiere den Schussablauf, habe nun auch wieder mit leichten Zugübungen und Gymnastik begonnen. Aber das Selbe ist es nicht … aber auch das ist eben wieder eine Schule – der Geduld.

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erster Parcoursgang mit dem Compound am 12.07.2015

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