Schießen mit „Gefühl“

Kranksein nervt!
Habt ihr schon erlebt, dass Krankheit euch etwas lehrt? Bei mir wirklich nicht das erste Mal im Leben … – aber das letzte Training war so ein Tag!

Wer mein Blog/meine Facebook-Seite verfolgt, kennt die Geschichte vom Tennisarm bereits … Deswegen habe ich es die letzten Wochen langsamer angehen lassen.
Ende Januar habe ich in Schiefbahn nach sieben Wochen die ersten Pfeile ohne Manschette geschossen und es ging gut. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass die Statik des Arms sich durch das Tragen der Manschette verändert hat: Sehnen und Muskulatur des gesamten Arms müssen nun wieder zusammen spielen …

Am Tag darauf war Training mit dem Reisenden.
Insgesamt habe ich um die 60 Pfeile geschossen – aber anders als sonst. Es gelang mir, was mir zuvor noch nie in dieser Weise gelungen ist. Ich konnte fühlen, was meine Muskulatur tut! Durch die Korrekturen von CC und meine Achtsamkeit lernte ich spüren, wo Spannung und Entspannung entsteht und damit beginnen, die Muskulatur bewusst zu steuern. So konnte ich mich sogar oft selbständig korrigieren, wenn irgendetwas im Schussablauf nicht „passte“. So langsam verstehe ich wohl das Prinzip … Denn eigentlich wartet diese Aufgabe schon lange auf mich. Aber wenn das Körpergefühl fehlt, lässt es sich eben auch nicht einsetzen. Meine Vorsicht bezüglich des Arms hat mich also aufmerksamer werden lassen.

Ich konnte das direkt üben an der Frage: „Woher kommt die Linkslage einer Gruppe?“
Zu fragen galt es: „Was spüre ich und was ist das Resultat?“ Und: „was verändert sich, wenn ich das Gefühl verändere?“
Das war ehrlich gesagt völlig neu für mich!
Ich war da so bei mir, dass ich das Visier einfach nur noch Richtung Scheibe „geschoben“ habe, selbst bei der Score-Übung! Und bin mit dem Ergebnis total zufrieden gewesen! Weil ich jeden Pfeil bewusst geschossen habe, auch das eine „M“, das mir den Schnitt verdorben hat („Hallo, zuckende Bogenschulter“). Ich kann tatsächlich sagen, dass mir der Score egal war, obwohl es die gestellte Aufgabe war (als Stress-Übung, aber ich habe dabei keinen Stress empfunden). Wobei die „wahre“ Aufgabe vermutlich der Lernprozess des Fühlens war.
Zwischendurch hatte ich einen Schuss, der einfach nur „perfekt“ war. Nichts zu korrigieren, einfach aufbauen und raus! Ich weiß nicht mal, welche Ringzahl er ergeben hat – aber es war ein wunderbarer Moment!
Nach einer ausgiebigen Pause habe ich die Trainingseinheit mit einer einzelnen Passe abgeschlossen. Ganz klar die Rückmeldung meines Körpers erhalten, dass es nur noch mit viel Arbeit und Korrektur geht. Daraufhin habe ich sehr zufrieden aufgehört, weil ich das wahrgenommen habe!
Wie gesagt, das Arbeiten mit Körpergefühl ist neu für mich – aber total spannend, und es fühlt sich sehr gut an!
Das bewusste Wahrnehmen meines Körpers möchte ich weiter üben! Das Schießen wird dadurch „anders“. Wie, kann ich gar nicht benennen, aber es wird intensiver!

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Score-Übung

Gestern habe ich ich versucht, alleine mit diesem Körpergefühl zu arbeiten – und festgestellt, dass es nicht einfach ist. Mag sein, dass es mit der Erkältung zusammen hängt, die die Bewegungssteuerung schwer werden lässt. Aber alleine die Schultermuskulatur bietet so viele Möglichkeiten. Eine Muskelgruppe oder gar einen einzelnen Muskel zu steuern, ist sicherlich ein längerer Lernprozess.

Jedenfalls hatte ich wieder die oben erwähnten Linkslagen. Und konnte mich zunächst nicht erinnern, wie sie bei mir zustande kommen. Ich habe meine Bogenschulter beobachtet. Ich konnte sie meist gut in die Linie stellen, was auch mit der zunehmenden Gewöhnung an das Zuggewicht zu tun hat. Auch mein Bogenarm in Verbindung mit der Bogenhand stand gut. Bei der Zughand habe ich variiert, ob ich sie mit mehr oder weniger Druck an die Wange lege. Das hat das Gefühl in der Expansion und beim Lösen verändert, aber nicht die Linkslage. Es hat diverse Schuss gedauert, bis es mir wieder eingefallen ist: ich habe nicht genug Druck nach vorne aufgebaut! Auch wenn der Bogenarm gut steht: er muss nach vorne arbeiten („push“), während Zugarm und -schulter nach hinten/unten arbeiten („pull“ und Expansion). Idealerweise arbeiten beide Seite 50:50, so steht dann auch der ganze Körper gerade. Das habe ich gestern offensichtlich zunächst nicht umsetzen können.
Nachdem ich es wusste, habe ich meine Aufmerksamkeit zu diesem Punkt gelenkt, mehr Druck nach vorne gegeben und konnte wieder „mittig“ schießen! Wobei ich dann auch wieder bewusst mein Becken gerade gerichtet habe. Wahrscheinlich war ich tatsächlich durch die Erkältung schlapp und habe nicht die sonst für mich übliche Körperspannung aufgebaut.

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Üben mit Körpergefühl

Es gibt so viel zu lernen! Aber das macht das Bogenschießen eben auch so interessant!

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