Berlin Open 2015

Die Berlin Open sind ein offenes internationales WA-Turnier, zu dem man sich nicht qualifizieren muss. Insofern kann sich jeder Compound- und Olympic-Recurve-Schütze anmelden – wenn man denn schnell genug ist! Die über 500 Startplätze sind im Regelfall binnen einer Viertelstunde weg, so beliebt ist das Turnier! Sehr viele Top-Schützen aus der ganzen Welt kommen gerne nach Berlin, und so kann man von den Besten lernen.

Mein Trainingskollegen Andy und Thomas waren schon 2014 dabei und haben so begeistert erzählt, dass ich diesmal ebenfalls mitfahren wollte. Am Anmeldetag um 19 Uhr war ich jedoch noch in der Wassergymnastik. Erst um 19:20 konnte ich die Website vom Handy aus aufrufen. Also landete ich -natürlich- auf der Warteliste. Alle sagten, da hast du eh‘ keine Chance. Schau’mer mal! Und so viele Compound-Frauen gibt es eh nicht …
Tatsächlich: am 13.11. erhielt ich eine Mail, dass ich starten darf!

Mein „alter Kumpel“ Carsten S. aus Berlin konnte leider nicht teilnehmen, weil er zuviel Arbeit und außerdem ein Klassentreffen hatte. Er hat daher seinen Startplatz zurück gegeben. Eine Unterkunft hatte ich schnell: Tina, eine Freundin, wohnt nur eine Viertelstunde zu Fuß vom Sportforum weg.
Es war also alles geplant: Andy und ich wollten zusammen fahren. Jedoch ist er zwei Tage vorher akut erkrankt und lag zu Bette …  Also musste ich mir auf die Schnelle noch ein (natürlich überteuertes) Bahnticket besorgen. Denn mit dem Auto wollte ich nicht fahren, da ich schon in Gruppe 1 am Freitag nachmittag startete. Nach so einer Autofahrt hätte ich mich direkt schlapp ins Bett legen können … Danke, Andy, für die Unterstützung, dass es mit der Bahn geklappt hat!

Also stand ich am Freitag Vormittag mit Sack und Pack am Düsseldorfer Hauptbahnhof.

20151211_093255

Berlin Berlin, wir fahren nach Berlin!

Zum Glück hatte ich genügend Zeitpuffer eingeplant, denn insgesamt kamen wir exakt eine Stunde zu spät in Berlin an …
Tina holte mich am Bahnhof ab und so ging es gleich weiter zum Sportforum! Das Registrieren ging sehr einfach: Namen sagen, Start-/Scheibennummer und Tüte in Empfang nehmen, fertig … 🙂
Danach, nach einem Stopp beim Bäcker und im Supermarkt, kurz zu Tina, den Rucksack abstellen, einen Kakao trinken, und dann mussten wir auch schon wieder los.

Beim Bäcker hatten wir großen Spaß!
Berliner Schnauze: die Bäckereifachverkäuferin sprach mich auf meinen großen Koffer an. Tina und ich sagten fast synchron etwas von einem „Bogenwettkampf“. Die Verkäuferin guckte etwas sparsam, und fragte dann : „Wissen Sie was ich gerade verstanden habe …  ein Drogenwettkampf?“
Tina und ich haben uns beinahe weggeschmissen, das wäre ja auch mal was Neues … „Drogenwettkampf“. Die Berliner sind wirklich merkwürdig konditioniert. 🙂
(Tatsächlich habe ich am Samstag zum ersten Mal „live“ eine Dopingkontrolle an einer Kaderschützin gesehen.)

Zeitlich war es etwas knapp, daher gehörte ich zu denjenigen, die zur Bogenkontrolle ausgerufen wurden, peinlich … Abgesehen davon, dass sie meinen Namen nicht aussprechen konnten und ich nur vermuten konnte, dass ich gemeint war. Aber es gab ja nichts zu beanstanden. Ein wenig konnte ich noch die Arme und Schultern kreisen, dann ging es auch schon los mit dem Einschießen. Damit ich mit dem neuen Bogen die 60 Pfeile im Wettkampf durchhalte, habe ich nicht alle Passen mitgeschossen. An diesem Tag waren wir nur sechs Compound-Frauen, die restlichen gemeldeten 54 würden erst am Folgetag schießen.
An Scheibe 27 waren wir nur zu zweit. Ein Platz war eh‘ nicht besetzt und unsere vierte Kollegin ist nicht angetreten.
Zuerst hatte wir ein wenig Probleme mit der Technik: wir mussten die Ergebnisse einmal auf der Schießkarte manuell eintragen und zusätzlich an einem Terminal eingeben. Die Eingabe selbst war einfach, aber wie wurde die nächste Passe addiert? Ich habe es dann mehrfach probiert und mit jeweils einem weiteren „Enter“ hat es dann auch geklappt.
Bei mir lief es nicht, aber ich habe mir Mühe gegeben, meine Technik durchzuziehen. Ich liebe Musik beim Schießen! Aber ich kannte das bislang nur vom Training, nicht vom Wettkampf. Und da ich mir einen eigenen Song unter den Schussablauf gelegt habe, irritierte es, wenn Madonna zeitgleich von San Pedro träumt … 🙂
Leider konnte ich nicht mal das Ergebnis der Kreismeisterschaft wiederholen. Aber irgendjemand muss ja die rote Laterne schwenken. 😉

Völlig verblüfft war ich, als mir meine Scheibenpartnerin Iris nach dem Unterschreiben und Abgeben der Schießkarten zum Dank und Abschied einen „kleinen Gruß aus Berlin“ überreichte: einen Kugelschreiber und einen „Weihnachtsbärchen“-Schlüsselanhänger. Wie lieb ist das denn!

Da ich Samstag „frei“ hatte, konnten Tina und ich noch lange quatschen und haben entsprechend lange geschlafen und gemütlich gefrühstückt. Zur Gruppe 4 am Nachmittag war ich aber in der Halle, waren dort doch einige Top-Schützen aus allen Bereichen eingeteilt – und die wollte ich nicht verpassen. Obwohl die Gruppen durchaus gemischt waren. So startete am Freitag an meiner Nachbarscheibe die spätere Siegerin Irene Franchini aus Italien!
Das war alles spannend anzusehen! Natürlich habe ich vor allem bei den Compound-Mädels genauer hingesehen und entdeckte durchgedrückte Knie, Hohlkreuze und andere Haltungs“fehler“ (übrigens auch noch in den Viertel-Finals), die ich im Training lerne zu vermeiden. 😉
Jedenfalls habe ich tollen Sport gesehen und konnte mich auch mit verschiedenen Leuten unterhalten: von der Trainerin eines Bekannten (noch ein Carsten …), über das südafrikanische/namibianische Team bis zu Khatuna Lorig, der herausragenden US-Recurve-Schützin. Schön ist, dass man wirklich mit den Leuten quatschen und von ihnen lernen kann. Niemand ist überheblich, und selbst ich als „kleines Licht“ war einfach Schützin unter Schützen. Auch an den Verpflegungs- oder Händlerständen und in den Umkleiden oder Fluren kam man immer wieder mit allen möglichen Leuten ins Gespräch, und es war eine fröhliche Atmosphäre. Ich konnte sogar mal wieder ein wenig Schwedisch sprechen! Mit ein paar Esten kam ich schnell ins Gespräch über meinen Falco-Langbogen. Die ganze Stimmung war einfach toll! Leute aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt – vom Freizeitschützen bis zum Top-Scorer. Alle kommen zusammen, weil sie das Bogenschießen lieben. WA-Halle wird zwar nie meine Lieblingsdisziplin werden, aber jeder findet seine Möglichkeit, sich mit dem Bogen auszudrücken.

Tina und ich bestellten uns abends etwas beim „Chinesen“ und waren recht früh in der „Falle“. Denn am Sonntag durfte ich ja nochmal schießen: die „2. Chance!“

Alle, die nicht unter die jeweils 32 Finalisten gekommen waren, konnten an diesem Tag auf Fünfer-Spots ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen. Fünf Passen à fünf Pfeile. Für einige war schon schwierig, dass man in 120 Sekunden fünf statt der üblichen drei Pfeile schießen musste. Außerdem darf eben nicht die Mitte der Scheibe, sondern nur die Spots der „Blume“ getroffen werden. Ich hatte weder mit der Zeit noch mit der Auflage ein Problem, aber meine beste Passe war beim Einschießen. Egal! Klar hätte ich gerne mehr erreicht, in beiden Runden. Aber es hat eben nicht geklappt, und für mich ist es eine Motivation weiter zu üben, schließlich bin ich Anfängerin und meinen Bogen habe ich ja auch erst ganz kurze Zeit. Ich sehe das sehr entspannt, und das ist ein Novum für mich – ich bin also schon auf einem Weg, mit solchen Situationen umgehen zu lernen und nicht aufzugeben – „lethargisch“ zu werden, wie CC sagt. Jeder Pfeil ist ein neuer Pfeil und eine neue Chance!

Ich hatte mir im Vorfeld sogar eine mindmap gemacht, damit ich das gute Gefühl aufbauen, halten und genießen kann. Und wenn ich mir das Bild jetzt anschaue, ist genau das eingetreten!

BerlinOpen2015

Dazu habe ich ab Freitag täglich die Entspannungs/Selbsthypnose-CD von Archery Mental Mastery angehört. Die hat mir Samstag Nacht sogar gut geholfen, als ich nicht einschlafen konnte. „Rumliegen“ hatte ich die Datei schon seit Monaten. Aber die Entspannung tut so gut, dass ich das jetzt in meinen Tagesablauf einbauen will, beispielsweise vor dem Einschlafen oder vor Turnieren.

Ich schaute mir mittags die Viertelfinal-Begegnungen an, dann habe ich meinen Rucksack bei Tina abgeholt. Noch ein Käffchen, und schon ging es wieder zurück zur Halle. Als Rahmenprogramm trat am Nachmittag eine Dudelsack-Gruppe auf: das Mädel in einem schicken Mini-Kilt! Die „Berlin Pipes and Drums“ haben gut Stimmung gemacht!

Und dann war es soweit: wer würden die Sieger dieser Berlin Open werden?!
Ich kann nur sagen: alle vier Finals waren hochspannend, das Herz schlug einem bis zum Hals! Wenn das schon für uns Zuschauer so ist, wie mag das den Schützen gehen? Denn schießen können die alle, das ist das reinste „mental game“! Wer hat die Nerven, wer geht am besten mit dieser hohen Erwartungshaltung und dem Druck um?!

Emotion und Spannung pur!

DSCN3803

OLEKSEJENKO Julija, Lettland und FRANCHINI Irene, Italien

Letztlich haben Gold geholt:
Irene Franchini, Italien, Compound-Frauen
Stephan Hansen, Dänemark, Compound-Männer
Camilla Nielsen, Dänemark, Recurve-Frauen
Florian Kahllund, Deutschland, Recurve-Männer

Was für ein wunderbarer Nachmittag und Abschluss eines tollen Wochenendes! Noch eine Bulette und mich dabei mit einer Rollifahrerin unterhalten. Das ist auch etwas Schönes am Bogenschießen, dass Fußgänger und Rollifahrer, Behinderte und Nichtbehinderte diesen Sport gemeinsam ausüben können.
Dann musste ich mein umfangreiches Gepäck wieder zum Bahnhof verbringen. Zum Glück ist die Tram-Verbindung sehr gut, das hat prima funktioniert.
Im ICE saß in der Reihe hinter mir ein junger Recurve-Schütze aus Dortmund, mit dem ich mich dann noch eine ganze Weile unterhalten habe. Daneben die vielen schönen Fotos auf Facebook gesehen …

Es war ein grandioses Wochenende! Selbst wenn ich den Bogen nicht in die Hand genommen hätte, hätte sich jeder Cent des Startgeldes gelohnt: das internationale Flair, die tollen Leute, die inspirierende und motivierende Gemeinschaft, „Wahnsinns“-Sport – ein echtes Erlebnis!

Und so möchte ich auch kommendes Jahr glücklich ausrufen:
„Berlin Berlin, wir fahren nach Berlin!“

DSCN3721

Foto: Tina Kröll

  • * * * * *

=== >  mein Fotoalbum!  <===

Weitere Infos: Berlin Open

meine "BO"-Beute :-)

meine „BO“-Beute 🙂

Herzlichen Dank, Tina, für deine Gastfreundschaft und ebenfalls vielen Dank dem ganzen Team vom Bogensportclub BB-Berlin e.V., die dieses Turnier so klasse ausgerichtet haben. Trotz Abspringen des Hauptsponsors haben sie souverän die ganze Organisation gemeistert. Ich war immer wieder verblüfft, wie pünktlich und reibungslos alles lief. Selbst als einmal die Erfassungsterminals ausgefallen waren, wurde der Fehler durch klare Anweisungen an die Schützen schnell behoben.

6 Kommentare

  1. Uwe Prell · Dezember 23, 2015

    Toller Blog!

    Gefällt mir

  2. 3D-Bogenblog, Andrea C Schäfer · Februar 13, 2016

    … und ich wundere mich, warum mein Video so viele Klicks hat: Stephan Hansen hat es auf seiner Website geteilt! 🙂
    http://stephanhansen.dk/TV%20-%20You%20Tube.html

    Gefällt mir

  3. Pingback: Fairness | 3D-Bogensport
  4. Pingback: Berlin, die zweite … | 3D-Bogensport
  5. Pingback: Eine Ära geht zu Ende :-( | 3D-Bogensport

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s