Gegensätze? Nein – Spaß!

Am Samstag hatte wir wieder Arbeitsdienst in Wuppertal. Mit zwei Kameraden habe ich mich um den Neubau von drei Scheiben gekümmert. Außerdem wurde das Dach des Wohncontainers abgedichtet und einiges im Parcours aufgeräumt und Bewuchs in den Schussbahnen entfernt. Nach dem Grillen haben wir vereinsintern ein kleines Abenteuer gewagt: Nachtschießen! Am 1.11.2014 habe ich dies mit Jens und Stephan schon mal ausprobiert, damals war es ähnlich warm und dazu Vollmond. (Bericht vom letzten Jahr)

Diesmal haben wir uns in drei Gruppen in den Parcours begeben. Da ich nachts mit dem Scope eh‘ nichts sehe, habe ich meinen Jagdrecurve mitgenommen. Die ersten paar Ziele hat man in der Dämmerung noch gut ansprechen können, danach musste man sich mehr und mehr auf seine Intuition verlassen.

Wieder einmal habe ich festgestellt, dass mein Trefferbild (trotz fliegendem bzw. Nicht-Anker!) erstaunlich gut ist, sobald ich einen Sinn (fast) ausschalte. Manche Ziele haben wir mit Taschenlampen angeleuchtet, aber so dezent, dass man nicht geblendet wurde und auch das Kill nicht erkennen konnte. Wir haben keinen einzigen Pfeil verloren, auch wenn mal einer daneben ging. Den Bär auf 40 m und den Hochstand haben wir ausgelassen, aber ansonsten waren wir fleißig auf der „Jagd“. Weniger Hirn, mehr Bauchgefühl – eine schöne Erfahrung! Der Abend hat großen Spaß gemacht!

Den Abend habe ich in Düsseldorf ausklingen lassen: zuerst mit dem Riesenrad gefahren und einen schönen Blick auf die Stadt gehabt und dann im „Naseband’s“ gute Musik gehört und ein wenig getanzt.

Am Sonntagnachmittag gab es für mich das Kontrastprogramm: die RSB-Kreismeisterschaft (Schützenkreis 037-Viersen) in St. Tönis.
Wir Schiefbahner waren sehr zahlreich angereist!

War das Vereinsturnier sehr locker gewesen und lediglich ins Training integriert, war diesmal alles „FITA-Style“ mit Ampel, Disziplin und allem was dazu gehört. Daher habe ich meinen Trainer CC per Messenger gefragt, was ich beachten und mitnehmen soll:
„Vergiss alles und schlaf‘ gut, genieße das Turnier – und das was kommt, ist das was du machst. Bleib‘ bei deiner Handlung – beim Schuss, nicht beim Treffen.“
Genug schlafen (deswegen habe ich den Samstag nicht allzu lang werden lassen!), leichtes Essen, für den Körper genug Wasser (sehr wichtig!), Obst (ich habe Beeren und Fruchtschnitten mitgenommen), Müsliriegel.
Für den Geist: sich auf das Schießen konzentrieren, nicht auf das Treffen. Und von den Erfahrenen lernen, welchen Rhythmus (Schießzyklus) sie pflegen. Außerdem solle ich nicht hektisch werden, ich habe schließlich zwei Minuten für drei Pfeile.
Den letzten Punkt konnte ich schon im Vorfeld abhaken, denn die zwei Minuten habe ich noch nie ausnutzen müssen. Im Gegenteil, wenn ich zu lange ankere, verziehe ich öfter.

Vier Compounder teilten sich Scheibe 9. Aus Schiefbahn mein junger Kollege Niclas und ich, Ralf von den Patschel-Bognern (da konnte man noch schön das tolle Turnier Revue passieren lassen!) und der Schüler und Compound-Anfänger Julian von den St.Tönis-Schützen.
Als ich auf die Starterliste schaute fühlte ich mich spontan gealtert! Denn der DSB/RSB hat die Altersklassen geändert, und mit Ü50 bin ich jetzt schon in der „Altersklasse“ … 🙂

Der erste Durchgang lief für mich sehr schön! Zeitweise hatte ich ein „9er-Abo“!
Mit 264 Ringen habe ich fast einen 27er-Schnitt geschafft, mit drei 10ern, und darüber habe ich mich sehr gefreut.
Der zweite Durchgang brachte dann zunächst einen Einbruch. Es fehlte irgendwie die Konzentration – und weil der erste Durchgang so gut lief, dachte ich, das „muss“ so weitergehen! Ein Trugschluss! Die ersten vier Passen waren mental schlecht und in zweien hatte ich sogar zwei „Fahrkarten“ (M) dabei. Oh wei … 😦
Wie hatte CC geschrieben: aufs Schießen konzentrieren, nicht aufs Treffen …
„Es ist wie es ist“, habe ich mir dann gedacht. Einfach Freude am Schießen haben! Konzentration, Achtsamkeit – und dann einfach zulassen, was kommt. Diesen „lethargischen“ Zustand konnte ich dann tatsächlich herstellen – und prompt flutschte es wieder. Eine tolle Erfahrung!
Im zweiten Durchgang hatte ich zwar keine 10 dabei, konnte aber immerhin noch einen 24er-Schnitt erreichen.
Interessant war, dass sich meine wiedergefundene Ruhe dann auch auf Niclas übertragen hat. Wegen einem Basketballturnier am selben Abend war er nicht ganz bei der Sache. Er konnte sich dann aber ebenfalls besser auf das Schießen konzentrieren.

Die von Trainingskollege Andreas übernommenen deutlich härteren Pfeile für die Halle haben sich sehr gut bewährt! Und seit ich das Zuggewicht auf 37# erhöht habe, kann ich mit sauberer Technik die Spots direkt anvisieren und muss keine „Ballistik“ mehr einkalkulieren.

504 Ringe habe ich insgesamt geschossen, darauf bin ich sehr stolz! Denn es ist eine deutliche Steigerung zu meinen bisherigen Ringzahlen. Trainingsfleiß wird belohnt!
Und Kreismeisterin bin ich auch – das war natürlich einfach, wenn man in seiner Bogen- und Altersklasse alleine ist … 😀

Das Allerwichtigste ist aber: es hat großen Spaß gemacht!
Als Mannschaft zum Turnier zu fahren, macht Laune! Auch wenn jeder für sich schießt, halten alle zusammen. Vereinstrainer Michael hat bei allen mal vorbei geschaut (auch wenn er uns Compounder nicht coacht) und uns motiviert, ebenso der lädierte Steffen, der leider selbst nicht mitschießen konnte. Die Freischützen haben eine schöne helle Sporthalle zur Verfügung und das Turnier sehr freundlich und organisatorisch gut ausgerichtet. Nur die Strohscheiben waren doof, man bekommt die Pfeile so schlecht raus (trotz „Ölen“ mit Silikon). 😉

Hätte mir jemand vor einem halben Jahr gesagt, dass auch Scheibenturniere Spaß machen, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt! 😀

Für mich ist das also kein „Gegensatz“ (mehr): ich schieße einfach Bogen und lasse Pfeile fliegen!
Klar machen mir 3D-Ziele mehr Freude, schon deshalb weil man draußen in der Natur unterwegs ist. Das Wandern von Ziel zu Ziel ist einfach schön. Und der Reiz daran ist, dass jedes Ziel anders ist.
Aber auch die Halle hat was! Und vor allem, wenn das Wetter doch mal schlecht werden sollte, ist es eine prima Alternative. Zumal man an den Spots das präzise, konstante und konzentrierte Schießen lernt – und das hilft einem ja auch wieder draußen!

Am 13.12. ist Bezirksmeisterschaft in Bedburg-Hau. Da bin ich „natürlich“ dabei und freue mich drauf!

aus Facebook

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Das habe ich gestern Abend gefunden und es passt so richtig zum Tag und dem schönen Wochenende!

Kreismeister-Nadel und Plakette

Kreismeister-Nadel und Plakette – den Aufkleber werde ich dann auf meinen eigenen Stabi anbringen, nicht auf die Leih-Ausrüstung 😉

Übrigens: dies ist der 100. Blogbeitrag!

Ein Kommentar

  1. Bowhunter1 · Dezember 29, 2015

    Ja das Nachtschießen war für mich eine ganz neue Erfahrung. Manchmal muss man sich wirklich auf Dinge einfach einlassen.

    In diesem Jahr habe ich meine erste Kreismeisterschaft Fita Halle 18m mitgeschossen. Darauf muss man sich auch einlassen.
    Am Ende war es aber eine tolle Erfahrung, in der Halle schießen ist recht angenehm. Kein Wind. Nicht kalt. Gutes Licht. Und man konzentriert sich dann irgendwann auch mal richtig… 😀

    Liken

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