Bogenjagdlehrgang DBJV

Bei der diesjährigen Hauptversammlung des JBC wurde über Lehrgänge gesprochen. Als „Jagdbogenverein“ liegt es nahe, sich zumindest theoretisch mit der Bogenjagd zu beschäftigen. Ob man nun die Jagd ausüben möchte oder nicht – das 3D-Schießen wurde einst geschaffen, um den US-amerikanischen Bogenschützen in der jagdfreien Zeit eine Möglichkeit zum Trainieren zu geben. Außerdem steckt in uns allen noch der „Jäger und Sammler“. Wenn man sich kritisch mit dem Thema auseinander setzen und eine Meinung bilden möchte, macht es Sinn sich darüber genauer zu informieren. Also bot ich an, mich um die Organisation eines solchen Lehrgangs des Deutschen Bogenjagd-Verbandes zu kümmern.

Vorab ist zu sagen: in den deutschsprachigen Ländern ist die Bogenjagd (derzeit) nicht erlaubt!
Wer tatsächlich mit dem Bogen jagen möchte, muss sich also kundig machen, unter welchen Voraussetzungen im europäischen Ausland bzw. auf anderen Kontinenten eine Bogenjagd möglich ist.

realistisches 3D-Ziel in den USA, im Kaufhaus erhältlich

realistisches 3D-Ziel in den USA, im Kaufhaus erhältlich (Foto Ilona H.)

Der Bogenjagdlehrgang war sehr lehrreich und hat mir sehr viel Spaß gemacht!
Allerdings eine Menge Lernstoff für die kurze Zeit! Gewissermaßen ein Parforceritt durch die Grundlagen des jagdlichen Schießens … Gerne hätte ich noch mehr über Biologie und Verhalten des Wildes erfahren, aber dazu hat die Zeit absolut nicht gereicht.
Rolf ist ein sehr guter Dozent, absolut seriös, verantwortungsbewusst und erfahren und gewissermaßen eine unerschöpfliche Quelle des Wissens. Jens (unser „Vereinstrainer“) als Co-Dozent hat bestimmte Ausbildungsabschnitte übernommen, und auch hier merkte man, dass er weiß was er tut.

Didaktisch orientierte sich der Kurs an der amerikanischen Bogenjägerausbildung, daher konnte wir zum Glück einige Allgemeinplätze überspringen (beispielsweise wie Langbogen, Recurve und Compound aufgebaut sind … *seufz*), und wir sind bei verschiedenen Themen deutlich tiefer in die Materie eingestiegen, als es die Präsentation vorgab. Soweit es in der Kürze der Zeit eben ging.
Der Teilnehmerkreis war sehr angenehm! Da war kein Möchtegern-„Fuzzi“ dabei! Auch unsere beiden Jungjäger (Inhaber des Jagdscheins, einer davon erst 17 Jahre alt!) haben durch ihr Verhalten und ihr Wissen gezeigt, dass man für die nachfolgende Generation an Jägern Hoffnung haben darf!

Klingen:

Klingen: „German Jager“ von Bearpaw – zum Trainieren in Ordnung, aber als exakte Jagdklinge m.E. NICHT geeignet! Eher etwas für die Wand …

Die Theorieprüfung war wirklich einfach, man konnte sie mit etwas gesundem Menschenverstand problemlos bestehen.

Die Schießprüfung habe ich leider nicht bestanden. Den letzten Schuss in der Nachprüfung, der die Entscheidung über das Bestehen gebracht hätte, habe ich schlicht und einfach verrissen, weil ich mich auf der Distanz zu sicher fühlte. Trotzdem bin ich zufrieden! Dass mein Set-Up „grottig“ war, wusste ich vorher, und ich hatte auch zuwenig auf die verschiedenen Distanzen geübt. Außerdem die Prüfung mit gerade mal fünf Wochen Compound-Praxis abzulegen, war – „sportlich“ … 😉
Aufgrund meiner „Anker-Phobie“ hätte ich mich jedoch nicht getraut, sie mit dem Recurve zu schießen.

Für diejenigen, die die Schießprüfung nicht bestanden haben, werde ich irgendwann eine Wiederholungsprüfung organisieren, die wir voraussichtlich wieder in Wuppertal abhalten können. Aber uns drängt nichts, das können wir ganz entspannt angehen – vielleicht im Spätherbst, vielleicht aber auch erst im nächsten Frühjahr – und ob man sie überhaupt ablegen möchte, ist ja eine persönliche Entscheidung (ich werde mich der Prüfung auf jeden Fall nochmal stellen).

Zum Schluss haben wir im Wald noch ein „ground-blind“ aufgebaut, ein Ansitz am Boden mit einem Tarnnetz (für einen Hochstand „treestand“ reichte leider die Zeit nicht und wir hätten auch erst einen geeigneten Baum suchen müssen). Als Bogenschütze hat man bei einem solchen Versteck am Boden mehr zu beachten als der „Pulverschütze“, weil man den Bogen ziehen können muss, ohne irgendwo anzustoßen.

Für mich war es ein sehr lehrreiches Wochenende – auch ohne Zertifikat!
Es war nur ein kleiner Einstieg in die Thematik, das muss jedem bewusst sein! Ich jedenfalls empfand diesen Einstieg als sehr gelungen! Für mich eine Anregung, mehr zu lernen, beispielsweise über Wildkunde – und das kann man dann auch wieder beim Parcoursbau und beim 3D-Schießen allgemein berücksichtigen („Was bedeuten jagdliche Entfernungen wirklich“, „Wo ist die anatomische Killzone eines Tieres tatsächlich“ etc.).

Jagdpfeil - Üben mit dem Recurve

Jagdpfeil – Üben mit dem Recurve (und der Compound-Jagdpfeil eines Vereinskollegen)

Gerne möchte ich Daniel danken für den Bau der Übungsscheibe und dass er das Aufräumen organisiert hat, während ich die Möglichkeit genutzt habe, noch ein paar Trainingspfeile mit Coach zu werfen.
Natürlich unseren Dozenten Rolf und Jens!
Gerhard, der mir die Location für den Theorietag so günstig vermittelt hat – und auch der „Besatzung“ der Gaststätte, die uns prima bewirtet hat und sogar noch mit einem Laptop aushelfen konnte!
Zuletzt allen Teilnehmern, ob aus dem JBC oder von „außerhalb“, die mir das Organisieren und die Durchführung des Lehrgangs wirklich einfach gemacht haben – so konnte auch ich mich komplett auf den Kurs einlassen.

Es war ein toller Lehrgang und ich habe vieles für mich mitgenommen – auch zum Nachdenken! Gerade die unaufgeregte Art, über das Thema Jagd zu sprechen und sowohl die Sicht der seriösen Jägerschaft, aber auch die Bedenken der (Bogen-) Jagdgegner ernst zu nehmen, gibt jedem die Möglichkeit, es ganz persönlich für sich zu bewerten.

Für mich persönlich ist beispielsweise die Trophäen- und Sportjagd ein echtes „No-Go“!
Jagd bedeutet für mich, ein gesundes Stück Fleisch auf dem Teller zu haben (ich ziehe Wild jedem Fleisch aus Massentierhaltung vor!). Wenn dabei eine Trophäe für den Jäger abfällt, soll es mir egal sein. Zumal ich die Verhältnisse in Südafrika kenne und unter meinen dortigen Freunden und Bekannten einen absolut seriösen und integren Berufsjäger mit eigener Jagdfarm habe, der auch im Nationalpark zur Bestandsregulierung eingesetzt wird. Das erlegte Wild wird abends beim braai verzehrt, ist überhaupt die Lebensgrundlage der Familie und ihrer Angestellten – und alles andere (Felle, Gehörn etc.) wird verwertet. Und wenn der Jagdgast die Trophäe haben möchte, wird sie von einem Präparator gefertigt und nachgesandt.

Überhaupt war mir das Thema nicht unvertraut. Meine Großeltern hatten selbst Wald, der an Jäger verpachtet wurde (nachdem die Opas zu alt dafür waren). Wir hatten daher immer Wild in der Kühltruhe! Allerdings war es damals absolut unmöglich, als Mädchen mit auf die Pirsch zu gehen oder gar eine Jägerausbildung zu machen. Mir blieb daher nichts anderes, als Jagdberichte zu lesen und dabei zumindest einen ordentlichen Teil der Jägersprache zu lernen. Als heller Kopf war mir aber schon damals bewusst und bekannt, dass das Fleisch auf dem Teller immer den Tod eines Tieres bedeutet – auch wenn ich ein großer Tierfreund war und bin. Denn auch die Landwirtschaft war bis zur Generation meiner Eltern noch Lebensgrundlage für uns, und ich war als Kind beim Schlachten und Wursten im Dorf dabei. Ich habe den Kreislauf des Lebens noch erlebt!

Durch den Lehrgang habe ich unter anderem durch Filmaufnahmen sehr anschaulich erfahren, dass die Bogenjagd eine absolut waidgerechte Methode ist, die eine sehr gute und in bestimmten Bereiche sogar bessere Alternative zur Büchse (Jagdgewehr) ist.

Jagdpfeilübung mit dem Compound

Jagdpfeilübung mit dem Compound

Informationen zum Bogenjagdschein und zur Bogenjagdausübung: DBJV

Mein Vereinskollege Björn bloggt ebenfalls, hier sein Beitrag zum Bogenjagd-Lehrgang.

3 Kommentare

  1. 3D-Bogenblog · November 24, 2015

    „Jens Kosch“ schreibt auf Facebook:

    Bogenjagd für und wider….

    In grüner Tarnkleidung schleicht ein Schütze durch den Wald. Langsam spannt er den Bogen, zielt und lässt seinen Pfeil los. Fast geräuschlos durchschneidet er mit bis zu 300 Stundenkilometern die Luft und trifft eine Wildsauattrappe mitten ins Herz. Anerkennender Applaus folgt dem zielsicheren Schuss.
    Was wie ein Indianerspiel von Erwachsenen aussieht, ist bitterer Ernst: Hier im Salzburger Viehhofen stellen sich zwölf Männer der Bogenjagdprüfung. Sie alle sind keine Jagdneulinge, der gültige Jagdschein ist Voraussetzung, um von der Bowhunter Federation Austria ( BFA ) zum Bogenjäger geadelt zu werden. Doch Reh, Fuchs und anderem Wild dürfen sie dann trotzdem nicht mit Pfeilen nachstellen.
    Während in Frankreich , Spanien , Nordamerika oder Australien die Bogenjagd wieder eingeführt worden ist, beharren Österreichs Jagdwächter auf der Pirsch mit Gewehr. »Nicht waidgerecht«, lautet die Begründung. Hinter vorgehaltener Hand sprechen viele Jäger aber von »Spinnern, die als Indianer im Wald herumlaufen wollen«.
    »Ja, solche Meinungen gibt es auch«, meint Ernst Blajs, Präsident der BFA. »Aber die meisten sind einfach uninformiert, die stellen sich Bogenjagd so vor, wie bei Bubenspielen mit dem Weidenholzbogen.« Der Kärntner ist zwar »begeisterter Büchsenjäger«, kämpft aber seit 1995 gemeinsam mit 150 anderen heimischen Bowhunters für die Legalisierung der Bogenjagd.
    In acht Bundesländern ist die Bogenjagd verboten. In Wien ist zwar die Jagd »aus der Luft, mit Sprengmitteln und Armbrust« untersagt, die Bogenjagd kommt aber im Landesgesetz nicht vor. »Das stimmt, gesetzlich wäre sie in Wien erlaubt«, sagt der Wiener Forstamtsdirektor Gerhard Januskovecz. »Ich kenne aber niemanden, der das tut.« Auch Bogen-Wilderer sind ihm bisher nicht untergekommen.
    Noch nicht, denn die rustikale Jagd ist im Aufwind. In den USA sind bereits 3,5 Millionen Bowhunters registriert. Die Faszination liege in den höheren Anforderungen an die Jäger, sagt Blajs. Bogenjäger müssen sich viel näher an das Beutetier heranpirschen als Büchsenjäger. 15 bis 25 Meter ist die Standarddistanz, von der der Pfeil von der Sehne zischt.
    Für ihre Anhänger ist die Bogenjagd eine Lebenseinstellung. Gesucht wird die Herausforderung des archaischen Tötens. »Mir ist die Büchsenjagd einfach zu leicht geworden. Da trifft man auf 200, 300 Meter Entfernung, das Wild hat gar keine Chance«, gibt sich Walter Mahlknecht, Bogenjäger aus dem Zillertal, pragmatisch. Ähnlich sieht es BFA-Präsident Blajs: »Die Jagd ist immer mehr zum Wildmanagement verkommen. Es gilt fast nur noch, die erforderliche Stückzahl zu erlegen. Und das geht mit der Büchse viel einfacher als mit dem Bogen.«
    Wer als Bogenjäger auf die Pirsch geht, kommt um eine umfassende Tarnung nicht herum. Neben einer camouflierten Kleidung muss selbst der Körpergeruch eliminiert werden. Blajs und seine Kollegen waschen sich dazu mit spezieller Seife ohne Eigenduft und verwenden geruchabsorbierende Textilien.
    Auch die hollywoodreifen Compoundbögen der Bowhunters haben mit dem primitiven Gerät Robin Hoods nur wenig gemein: Das leichte Material und eine Flaschenzugtechnik ermöglichen die hohe Geschwindigkeit der abgeschossenen Pfeile. Deren Wucht ist so hoch, dass sogar ein Bison auf einer Entfernung von 25 Metern durchschlagen wird. Um die 1.200 Euro kostet die Hightech-Waffe samt Zubehör. Die Pfeilspitzen sind rasiermesserscharf, um blitzschnell die lebenswichtigen Blutgefäße der Tiere zu zerstören. Dennoch läuft ein tödlich getroffener Keiler noch einige Sekunden weiter, bis er tot umfällt. »Das geschieht auch bei der Jagd mit dem Gewehr«, sagt Mahlknecht. »Diese Fluchtstrecke ist beim Pfeil sogar kleiner.«
    Trotz aller Begeisterung geht es den Bowhunters nicht um das Ersetzen der Büchsen- durch die Bogenjagd. Die Abschusspläne der Bezirkshauptmannschaften könnten damit gar nicht eingehalten werden. Der Bogen soll ein Zusatzsegment des Jagens sein. »Wie die Falkenjagd«, meint Blajs.
    Doch bisher kämpfen die österreichischen Bogenjäger vergeblich um Anerkennung. Sie frönen der Jagd auf eigenen 3-D-Parcours, wie dem in Viehhofen. Dort stehen Kunststoffrehe, -hirsche und -keiler auf Lichtungen und warten geduldig darauf, wieder und wieder erlegt zu werden. Manchmal werden die Tierattrappen auf Drähten hin und her gezogen, um realitätsnahe Jagdsituationen zu imitieren. Eine lustige Übung, aber weit entfernt vom Original. »Ich würde schon gerne ein, zwei echte Rehlein in meinem Revier mit dem Pfeil erlegen«, seufzt Jäger Blajs.
    In den USA ist die Jagd in städtischen Gebieten streng reglementiert. Wild, das sich in Städte verirrt, muss in Übersee sogar mit Pfeilen erlegt werden, vor allem wegen der Lärmbelästigung. Wien erlebt aktuell eine Wildschweinplage. Villenbewohner in Döbling klagen lautstark über zertrampelte Vorgärten. Die Borstentiere kommen aber nur bei Dunkelheit aus dem Wienerwald heraus. Ernst Blajs’ Bowhunters stehen schon Bogen bei Fuß.

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  2. Pingback: „Wilde Hunde“ | 3D-Bogensport

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