Flitzebogen

Foto1470

Nur ein Foto… obwohl ich mich natürlich freue, wenn sich auf 15 m zumindest vier Pfeile durch achtsamen Aufbau so nett gruppieren.

Aber eigentlich möchte ich etwas anderes erzählen.

Heute ist Sommeranfang, der Tag der Sonnwende (Litha), und zum Schießen musste ich zeitweise eine Jacke tragen. Zum Glück hatte der Wetterbericht recht – so konnte ich den trockenen Vormittag zum Trainieren nutzen und sitze jetzt mit einem schönen heißen Kaffee vor dem Rechner, während es draußen schüttet. 🙂

Ich warf also ein paar Passen, dann kamen meine zwei Nachbarsjungs um die Ecke. Eigentlich wollten sie Frisbee spielen. Natürlich hatte ich das Gartentor geschlossen, sie konnten mir also nicht in die Schießbahn laufen.
Zunächst wollte ich mich über die Störung ärgern, aber dann habe ich mich einfach auf die Kinder eingelassen. Denn sie waren natürlich begeistert: „ein ECHTER Bogen und ECHTE Pfeile! Und wie schnell die Pfeile sind!“
Wie Kinder so sind, eine Frage jagte die nächste. Ob Fangnetz, Würfel, Pfeile, Bogen oder Pfeilzieher, sie wollten „alles“ wissen!
Da fiel dem älteren Jungen (ca. 10) ein, dass er ja einen Bogen hat, nur keine Pfeile. Also sagte ich: „hol ihn doch mal“.
Und er brachte einen winzigen Bogen (20″? ) aus einem Zweig und Paketschnur mit. Der kleinere Bruder (ca. 8) wollte sich einen meiner CarbonOne schnappen, aber das konnte ich verhindern – mit dem Hinweis, dass ich Pfeile habe, die sie zum Üben nehmen können.
Im Auto hatte ich noch ein paar „Mittelalter“-Holzpfeile, die ich vor vielen Jahren geschenkt bekommen habe. Für meinen Auszug passen sie schon sehr lange nicht mehr, und zu meinen Bögen ebenfalls nicht. Aber wie das so ist: im Auto stören sie ja nicht… 😛
Tatsächlich hatten auch nur noch zwei eine Spitze… aber: zwei Jungs, zwei Pfeile, das passte. Nur mit dem Bogen mussten sie sich abwechseln.

Damit konnte das Bogenschießen beginnen.
Das Stöckchen warf „jämmerlich“, aber die Jungs hatten so viel Spaß! Und ich mit ihnen! :.

Ist euch schon mal aufgefallen: Kinder halten spontan den Pfeil an der Nocke fest, statt die Fingergelenke um oder unter den Nock zu platzieren. Ich vermute mal, dass das von der Motorik her einfacher ist (wie ich das als Kind gemacht habe, weiß ich nicht mehr).
So ein Flitzebogen hat auch keinen Nockpunkt – und wo die Bogenhand greift, ändert sich ebenfalls bei jedem Schuss.
Brad, der kleinere Junge, hat ganz schnell verinnerlicht, dass er den Pfeil besser auf dem Handrücken auflegt statt auf dem Daumen. Sein älterer Bruder tat sich da schwerer, er war auch motorisch nicht ganz so geschickt. Dafür konnte er den Bogen kräftiger ausziehen.
Immer wieder musste man den Bogen ein wenig in Form drücken, da er sehr schnell ausleierte. Aber ich war erstaunt, wie flexibel der Zweig das alles mitgemacht hat!

Wie glücklich die zwei waren, wenn der Holzpfeil auf zwei Meter im Würfel steckte oder an diesem zumindest abprallte! Natürlich durfte ich es selbst auch mal probieren, und tatsächlich war das gar nicht so einfach. :>>

Alex, der Ältere, meinte dann spontan, dass man bestimmt weiter schießen kann, wenn man den Pfeil in einem Bogen schießt. Also haben wir das ausprobiert und haben uns auf etwa 5 m platziert. Und tatsächlich hatten die Jungs es sehr schnell heraus, wie hoch man den Bogen halten muss, damit der Pfeil weiter fliegt!
Allerdings musste ich mich permanent um die Sicherheit kümmern. Da rennt einer in die Schießlinie, weil er seinen Pfeil holen will, während der andere seinen Pfeil auflegt. Da erhöht einer mal kurz die Distanz, bemerkt aber nicht, dass die anderen nicht hinter ihm stehen. Oder man wedelt lässig mit einem Pfeil herum…
Zwei lebhafte Kinder kann man noch ganz gut beaufsichtigen, mehr wäre bestimmt stressig geworden! ;D

Wie gut, dass ich das Fangnetz habe! So konnte ich mich ganz den Jungs widmen und musste keine Angst haben, wo die Pfeile landen.
Jedenfalls hatten wir drei viel Spaß! Zwischendurch „durfte“ ich auch mal ein paar Passen schießen, während sie im anderen Gartenteil Frisbee spielten und Walderdbeeren pflückten.

Aber sie hatten so viel Spaß, dass sie nun überlegen, sich selbst einen größeren Bogen und Pfeile zu basteln oder im Spielwarengeschäft nach Kinderbögen zu fragen. Und dann werde ich wohl ab und zu zwei kleine Trainingspartner bzw. „Azubis“ haben… 😀

Mein eigenes Training war heute vielleicht nicht so „effektiv“, aber durch die Augen der Kinder sehe ich vieles, das für mich ebenfalls wertvoll ist:
Auch wenn es mit einer „passenden“ Ausrüstung schöner und erfolgreicher ist: die Freude am Schießen besteht im Tun!
Die spielerische Freude bleibt auch, wenn man nicht trifft. Da wird nicht aufgegeben, sondern einfach weiter gemacht – und man freut sich dann über einen Treffer umso mehr.
Diese kindliche Freude, wenn der Pfeil fliegt… die kommt schon mal abhanden, wenn man an der Technik übt. Aber ist es nicht genau das, was die Faszination des Bogenschießens ausmacht?

Ein lehrreicher Tag für mich! :yes:
Und jetzt geht es in die Sauna – „aufwärmen“… 😉

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