Kongress "Wasser, Wälder, Wölfe" – natürlich mit dem Bogen!

Diese Konferenz wurde ausgerichtet vom Schamanischen Netzwerk Europa.

Wer sich darunter eine Ansammlung seltsamer Esoterik-Tanten vorstellt, hat wahrhaftig schamanisch und spirituell Tätige noch nicht kennen gelernt! Die meisten sind ganz bodenständige Menschen, die eine tiefe Verbindung zur Natur und Umwelt haben. Und genau dort ordne ich mich ebenfalls ein, auch wenn ich wenig geübt in der schamanischen Praxis bin. Der Kongress war glücklicherweise offen für alle Interessierten! 😉

Zum Glück war ich am Donnerstag bereits um 14:30 Uhr da. Denn die Listen zu den Workshops füllten sich zusehends. Leider war das Programm so komplett umgeworfen worden, dass ich mir alles neu zusammensuchen musste. Meine Vorbereitung war also für die Katz‘. :>>
Mit etwas Improvisieren und Grübeln konnte ich trotzdem ein stimmiges Programm für mich zusammen stellen.
Natürlich gruppierte ich alles um „mein“ Thema Bogenschießen!

PETER O`CONNOR/ IRLAND
Traditionelles Bogenschießen als ein Mittel für Konzentration & Focus
In diesem Workshop wird das Bogenschießen genutzt als Mittel den Focus auf die kleinen Dinge des Lebens zu richten, um so Ziele erreichbar zu machen und als Vermittler zu unserem Unbedeutenden, um das größere Bild des Lebens wertschätzen zu können.
Beabsichtige etwas Kleines – um etwas Kleines zu verfehlen.
Wenn wir das Grundlegende richtig lernen, können wir fast alles lernen – fehlerfrei.
Wenn wir unseren „Rücken hineinlegen“, können wir stärker ziehen.
Wenn wir an uns selbst glauben, können wir fast alles erreichen.
Teilnehmer/innen: 3 bis 5. Die Workshops werden nicht länger als 80 Minuten dauern.
Peter ist ein sehr gut ausgebildeter, begeisterter irischer Musiker und hervorragender Bogenschütze mit einem großem Wissen über europäische Kulturgeschichte. Peter verbindet seine Kenntnisse mit ökologischem Wissen und der Kunst zu handeln, wenn er Gruppen unterrichtet.

Der Abend begann mit einem Ritual. Die Himmelsrichtungen korrespondierten mit den Elementen. Die Elemente stellten sich uns vor. Wir sollten nun das Element suchen, das uns inspiriert. Das Feuer drängte sich mir geradezu auf. Eine Kraft, die zerstört, aber auch Platz schafft für Neues. Feuer härtet den Stahl und transformiert Holz in Asche, die wiederum den Boden nährt. Feuer ist wild, leidenschaftlich und lässt sich schwer zähmen. Man kann es leiten, aber niemals zwingen. Es reinigt und lässt Neues entstehen…

Den irischen Bogenlehrer und Musiker Peter O’Connor kannte ich bislang nur von Facebook und G+, da ich mich im Vorfeld bereits mit ihm vernetzt hatte. Schnell stellte sich heraus, dass beim Kongress immenses Interesse am Bogenschießen bestand! Freundlicherweise hat Peter mir erlaubt, Scheibe und Fangnetz für eigene Übungen zu nutzen, wenn er nicht gerade einen Einstiegskurs leitete.
Wir verstanden uns sogleich gut. Da er nur relativ starke Bögen dabei hat, hatte ich ihm bereits im Vorfeld angeboten, zusätzlich meinen Langbogen mitzubringen. Peter hat mein Angebot dankbar angenommen. Zumal er nach etwas Ausprobieren bestätigen konnte, dass man den Falco prima auch rechts (über den Handrücken) schießen kann. So haben wir gemeinsam noch ein paar Pfeile geworfen.
Peter lehrt eine traditionelle Technik, die sich vom englischen warbow ableitet.. Dabei geht man in den Anker, bevor man den Bogen hebt und zieht gewissermaßen über den Rücken hoch.

Abends hat Hildegard Fuhrberg einen sehr interessanten Vortrag über den Begriff Wildnis und unseren Umgang damit gehalten. Ein wenig lang für meine Begriffe, aber sehr spannend – und zum Glück konnte man den Vortrag in gedruckter Form erstehen. Denn es sind viele Gedanken genannt, die man gar nicht so schnell verarbeiten konnte.

Danach wurden noch Märchen am Kamin erzählt, aber ich habe mich zurück gezogen und am Schießplatz meinen Schussablauf memoriert. Nachts unter dem Sternenzelt, die Scheibe nur als Schemen, nutzte ich die Möglichkeit, ganz in Ruhe die Bewegungen wie eine Art Schattenboxen auszuüben. Zu spüren, zu genießen, und trotzdem Kraft in den Schuss zu legen.

An der Burg traf ich Peter nochmal und wir quatschten noch ein wenig über Sprachen, Astronomie, Lichtverschmutzung bis hin zu politischen Themen. Gegen 22:30 Uhr machten wir uns auf, es reichte für den Tag.

Das Thema Feuer begleitete mich weiter, ohne das bewusst so geplant zu haben.
Das Feuer im Speisesaal/Kaminraum sollte die ganze Konferenz durch am Brennen gehalten werden. Dazu wurden rund um die Uhr Feuerwachen eingeteilt. Wenn das Feuer schon „mein“ Element war, wollte ich mich einbringen und habe mich für zwei Feuerwachen eingetragen.

Beim Frühstück konnte ich mit Zimmernachbarin 3: Elisabeth unterhalten. Sie ist Tierärztin und in der Schweiz für BOS tätig (Orang Utans in Indonesien). So konnten wir uns gut über die von uns unterstützten Schutzprojekte für bedrohte Tierarten unterhalten und fanden viele Gemeinsamkeiten.

Am Freitag hatte ich einen Workshop bei der Wildnisschule. Und wieder ging es um das Feuer! Denn wir haben einen Feuerbogen gebaut und tatsächlich damit Feuer gemacht! Der Feuerbogen stellte auch wieder eine Verbindung zum Bogenschießen her, denn der Bau ist ähnlich wie der eines „Flitzebogens“. In Zweierteams stellten wir das Feuerbrett, die Spindel, das Handstück und den Bogen her. Das ging nicht ganz ohne Blessuren. Zuerst schnitt ich mich an der Machete, dann meine Bau-Partnerin am Messer. Glatte Schnitte, schnell verpflastert. Mich habe ich selbst verarztet und dann meine Kollegin. Ist ja gut, dass ich darin Routine habe. Es gehört eben dazu. :b

Feuerbogen

Meine erste Feuerwache wurde wunderbar durch Musik begleitet. Gudrun schnappte sich die Gitarre, und ich improvisierte zu Flamenco, heidnischen Liedern und Folk. Wir waren ein super Team und harmonierten wunderschön.
Das Feuer zu hüten ist eine schöne Aufgabe. Es nicht zu überfüttern, aber auch nicht erlöschen zu lassen. Wie das Feuer selbst, es nährt und verzehrt…

Nachmittags hatte ich meinen Workshop bei Peter. Er brachte uns zunächst die Geschichte des Bogenschießens nahe. Er zeigte uns die verschiedenen Pfeilspitzentypen, z.B. den Ritterbrecher. Danach zeigte er uns den Schussablauf des warbow-Stils. Dabei wird in vornübergeneigter Haltung zunächst geankert. Danach wird aus dem Rücken heraus gehoben, ausgerichtet und dann gelöst. Er stellte den Schussablauf aus dem T als „falsch“ dar, weil man aus den Schultern arbeiten muss. Damit würde man sich die Schultern kaputt machen. Den warbow kann man gar nicht so ziehen. Nur aus dem Rücken heraus kann man die Kraft entwickeln.
Als ich selbst dran war, war es für mich extrem ungewohnt. Vornüberbeugen, dann, den Pfeil Richtung Boden gerichtet, ziehen und ankern, danach aus der gesamten Rückenmuskulatur aufrichten, zielen und lösen. Allerdings habe ich „meine“ Ankerart genutzt mit eingeklapptem Daumen in der Kinngrube, nicht mit dem abgespreizten Daumen am Ohr.
Ich habe die Scheibe kein einziges Mal getroffen, da ich immer zu früh gelöst habe. Sehr, sehr merkwürdig! Aber ich konnte sehr konzentriert ankern! Es war ein sehr stabiles und gutes Gefühl. Interessant!

Abends habe ich dann wieder für mich auf verschiedene Entfernungen geschossen. Nach der ersten Passe auf etwa 15 m hätte ich bereits aufhören sollen, so gut war sie.

Foto1296

Aber natürlich machte ich weiter. Ein Junge, Carl, kam dazu. Schließlich noch mehr „Zuschauer“, da wurde ich wieder etwas unsicher, desto schlechter wurde mein Anker. Aber ich habe mich bemüht. Schließlich habe ich einfach nochmal eine Passe auf diese „traditionelle neue“ Art geschossen. Schon war mein Anker stabil und fühlte sich gut an. Bei der nächsten Passe stand ich wieder im T, habe aber versucht das Gefühl zu übertragen. Und das hat tatsächlich funktioniert. Ich habe mehr Ruhe gefunden. Es war sicher weit weg von einem „guten“ Anker, aber ich konnte mich besser konzentrieren und vor allem mehr spüren. Manche Passen waren nicht gut, aber egal. Schließlich wollte ich meine Einheit positiv abschließen. Genau diese Passe auf ca. 12 m lief gar nicht gut! Also: „mach‘ es dir nicht so schwer!“
Vor auf etwa 8 m und bestmöglichst entspannt. Und diese Passe fühlte sich gut an und war wunderschön.

Foto1299

Ich werde den „warbow“-Ablauf in mein Training einbeziehen. Einfach um den guten Anker zu spüren und das meinem Körper und Unterbewusstsein nahezubringen. Und den „Schattenanker“ üben – was ich abends in der Natur nochmals geübt habe. Spüren, wie sich die Bewegung anfühlt. Kraft hineinlegen ohne Pfeil und Bogen in der Hand zu halten. Wie ein isometrische Übung…

Am Samstag hörten wir einen wunderschönen Vortrag über den Wald. Sabine Weyhe stellte die Entwicklung der Wälder in der Geschichte und deren Bedeutung auf sehr spannende und eindrückliche Weise dar.
Auch beim 3D-Schießen bewegen wir uns ja im Wald. Mehr hinzuhören, hinzusehen, hinzuspüren – in Kommunikation mit der Natur treten. Das können wir auch im Parcours üben!

Mikk aus Estland brachte uns die Rauchsauna und die Schwitzhütte nahe. Als regelmäßige Saunagängerin habe ich für mich Möglichkeiten mitgenommen, das Saunaerlebnis noch mehr würdigen und genießen zu können. Gerne würde ich auch einmal an einer Schwitzhütte teilnehmen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass dies hier angeboten würde. Aber dies war nicht der Fall. Trotzdem haben wir zusammen gesungen und die Gemeinschaft der Kraft bzw. Kraft der Gemeinschaft gespürt.

Bei meiner Feuerwache meldete sich auf einmal eine Teilnehmerin. Ich würde sie an einen schönen Spruch erinnern:
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben Einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.
(Astrid Lindgren)

Das Element Feuer wirkte weiterhin. Nachts übernahm ich die dritte Feuerwache und hatte mich für eine weitere heute Abend eingetragen.
Ins Feuer schauen: unbezahlbar!

Am nächsten Tag war ich wieder Bogenschießen. Es ist interessant, dass die Kraft beim Ziehen auf „traditionelle“ Art ganz anders übertragen wird als im „modernen“ Stil.

Elli Radinger hat uns über die Wölfe erzählt. Sie war dankbar, dass sie zumindest EIN Gesicht kannte, nämlich meines. Wir begegnen uns im Rahmen von „tierischen“ Fortbildungen immer wieder einmal. ;D

Wieder war ich auf dem Bogenplatz, aber Peter war immer noch beschäftigt. Statt drei Kursen hat er mindestens sieben gegeben – so groß war das Interesse!
Also erst mal Abendessen.
Danach konnte ich Pfeile werfen. Carl war auch noch da. Der etwa 14-jährige Junge aus der Schweiz hat eindeutig etwas gefunden, das ihn packt. Seiner Mutter hat das Bogenschießen ebenfalls gefallen, und sie möchte ihren Sohn darin unterstützen, das traditionelle Bogenschießen auszuüben. Ich werde daher versuchen ihn zu vernetzen. Allerdings ist dies etwas schwierig, in der Schweiz kenne ich nicht so viele Anlaufstellen. Aber die Foren und Facebook-Gruppen werden helfen. Vielleicht auch einer meiner Leser?

Bei Peters Workshops konnte ich beobachten, wie er lehrt und wie die Anfänger das Bogenschießen annehmen. Eine Frau, nicht viel größer als ich, zog „einfach“ Peters 45#-Langbogen. Sie wusste nicht um das Zuggewicht, „machte“ einfach – da war sogar Peter beeindruckt!
Eine ältere Dame hatte eine Blokade in der Zughand. Sie konnte wunderbar ankern und heben, aber die Finger wollten sich nicht öffnen. Mit gut Zureden und mehreren Ansätzen gingen auf einmal die Finger auf – sie war so glücklich und wir haben sie lautstark beglückwünscht.

Eine andere Teilnehmerin meinte zu mir, dass sich das Ziehen „von unten“ so natürlich anfühle – es sei, als ob man die Kraft der Erde in den Anker hole!
Es fühlt sich tatsächlich kraftvoll an!

„Europa tanzt“ hieß es am Abend. DJane Bine überraschte uns mit tanzbaren Songs und Rhythmen aus dem gesamten Kulturkreis. Manches war aus den Charts bekannt, manches gänzlich neu. Auf jeden Fall konnte man ausgelassen „zappeln“. Zwischendurch habe ich mir aber wieder eine Feuerwache gegönnt.

Am Sonntag erzählte uns Relska Laks von den Wölfen in Estland. Sie ist Künstlerin und Jägerin, und lebt mit ihren Kindern abgeschieden in der „Wildnis“.

Danach konnten wir uns mit allen Workshopleitern austauschen und Fragen stellen.
Und dann folgte ein schönes Abschlussritual, mit dem wir uns bei den Elementen bedankt und Abschied von Burg Ludwigstein genommen haben.

Es war ein schöner und interessanter Kongress und ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt. Vor allem habe ich aber viel für mich mitgenommen – und ich bin gespannt, wie sich das eine oder andere weiter entwickelt.

Es liegt so eine Kraft im Bogen – aber auch in uns. Wir müssen sie nur zulassen!

2 Kommentare

  1. pfiddle · September 3

    Hat dies auf Glenribbeen – The Eco-Blog rebloggt und kommentierte:
    Excellent review of some aspects of the European Shamanic Workshops – So pleased that the writer really ‚gets‘ the Shamanic aspect of archery. It eventually leads to a very meditative state when done right.
    Some of the Google translation here is poor eg „Aim small to miss small“ is the correct phrase in the introduction. But all in all I’m really pleased to read this 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s