Gedanken…

road-not-taken

Dieses Gedicht (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken) habe ich in a tempo gefunden. Dieses „Lebensmagazin“ liegt der dm-Kundenzeitschrift alverde bei.

Der amerikanische Autor Jesse Browner hat ein Sachbuch geschrieben mit dem Titel: „How Did I Get Here? Making Peace with the road not taken.“ Ohne das Buch zu kennen, stellt es doch die richtige Frage!
Stehen wir zu unserer Entscheidung, unseren Weg zu gehen?
Trauern wir verpassten Gelegenheiten nach?
Denken wir: „wäre ich doch den anderen Weg gegangen“?

Was das mit dem Bogenschießen zu tun hat? Irgendwann hat sich jeder von uns entschieden, den Bogenweg zu gehen. Auch hier gibt es verschiedene und sehr unterschiedliche Wege! Der eine wird vielleicht FITAnese, der andere lässt einfach nur alle paar Wochen ein paar Pfeile fliegen. Zwischen diesen Extremen gibt es aber noch andere Wege, die alle mit mehr oder weniger Aufwand verbunden sind.
Natürlich ist der „Weniger-Aufwand-Weg“ einfach. Man macht sich wenig Gedanken, „ballert“ einfach drauf los. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte diesen einfachen Weg nicht verlassen. Aber dies hätte nicht meinem Naturell entsprochen – über kurz oder lang wäre es mir zu wenig gewesen, vielleicht hätte ich mich auch wieder anderen Hobbies zugewandt.
Durch unsere Trainer, vor allem CC, habe ich aber festgestellt, dass man lernen kann – und vor allem, wie man an sich selbst arbeitet.
Lernen dürfen!
Wie schön, dass Lernen-Können nie endet!
Wie frustrierend, wenn man glaubt, etwas Bestimmtes „nie“ zu lernen.
Aber welches Glück, wenn es dann doch irgendwann klappt!
Wo mich mein Bogenweg hinführt? Ich weiß nur zu gut, dass ich mir nicht den einfachsten Weg ausgesucht habe. Denn indem ich mich entschieden habe, ernsthaft und mit Freude zu trainieren, merke ich mit jedem Üben, dass dieser Weg nicht „einfach“ ist. Es liegen genug Steine und Stolperfallen auf dem Weg. Manchmal muss man auch durch ein Tal, um dann nach einem mühsamen Anstieg das Erreichte sehen zu können. Aber dieses Glücksgefühl ist dann auch unbezahlbar! :yes:

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Du kannst nicht gleichzeitig ein perfekter Mensch und erwachsen sein!“

Jesse Browner in „Alles geschieht heute“

Zuerst musste ich über diesen Satz schmunzeln, den eine junge Frau in dem Buch äußert. Aber es steckt eine tiefe Weisheit darin!
Perfektionismus, eins meiner „Lebensthemen“. Das übermäßige Streben nach Anerkennung durch mich selbst… Warum fällt es so schwer, sich mit seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten zu lieben? Denn gerade die machen doch das Menschsein aus!
Wie ich bereits in meinen letzten „Gedanken“ geschrieben habe. Sich annehmen und anzuerkennen, obwohl man gerade NICHT perfekt ist!
Und diese Anerkennung nicht von außen zu suchen, sondern in sich selbst zu finden.
Sich überhaupt weniger abhängig zu machen von dem, was andere über einen denken. Kritik und Hilfe annehmen, aber filtern! Nicht alles, was einem angetragen wird, ist auch wirklich gut. Sich selbst wertzuschätzen und daher auch Grenzen zu ziehen. Und nicht (beispielsweise) darauf zu warten, bis der Körper streikt.

Bogenschießen reflektiert das alles, denn letztlich ist man im Moment des Schussablaufs ganz allein mit sich, dem Bogen und dem Pfeil. Die Anerkennung kann also nur aus mir selbst kommen! Und ich kann dann auch anerkennen, wenn es einmal nicht gut läuft – denn das zeichnet mich als Menschen aus. Und es als Ansporn nehmen, weiter zu üben und zu lernen. Denn der Moment des Glücks ist nicht weit! An einem sonnigen warmen Tag in der Natur Pfeile fliegen zu lassen – wie „einfach“ kann dieses Glück sein. Und dann diesem Moment festhalten, im Herzen tragen und in den ganzen Körper und Geist strömen lassen.
Und „einfach“ unperfekt erwachsen sein! 😛

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Lenka hat sich in einem neuen Beitrag zum Training auf die 18m-Hallendistanz geäußert. Zuerst erschien ihr das (wie mir) so langweilig, aber sie hat den Wert des Technik-Trainings erkannt. Heute liebt sie die 18m! Soweit würde ich nicht gehen, aber ich merke ja selbst wie viel mir das konstante Schießen/Trainieren bringt. :yes:

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„Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag, an dem du die hundertprozentige Verantwortung für dein Tun übernimmst.“

Dante Alighieri

Und „Tun“ schließt in diesem Falle auch „Nicht-Tun“ mit ein. So wie ich eben meiner Bandscheibe ein paar Tage Ruhe gönne, Nicht-Tun vor dem Stehen an der Scheibe, aber Tun hinsichtlich Gymnastik.

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Ich bin keine Buddhistin, aber die Seelenreife der Lamas berührt auch mich.
Leben mit offenem Herzen und klarem Verstand, das gilt für alle Bereiche des Daseins.

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Wo ich mich eher finde, ist im Schamanismus und in den Naturreligionen. Hierzu werde ich im Mai eine Konferenz besuchen. Und dabei werden auch Pfeile fliegen! Der Ire Peter O’Connor bietet Workshops in „Traditional archery as a means of concentration & Focus“ an. Und natürlich werde ich daran teilnehmen!
„In diesem Workshop wird das Bogenschießen genutzt als Mittel den Focus auf die kleinen Dinge des Lebens zu richten, um so Ziele erreichbar zu machen und als Vermittler zu unserem Unbedeutenden, um das größere Bild des Lebens wertschätzen zu können.
Beabsichtige etwas Kleines – um etwas Kleines zu verfehlen.
Wenn wir das Grundlegende richtig lernen, können wir fast alles lernen – fehlerfrei.
Wenn wir unseren Rücken hineinlegen, können wir stärker ziehen.
Wenn wir an uns selbst glauben, können wir fast alles erreichen.“

Ich freue mich sehr darauf!

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„Die wichtigste Reise in deinem Leben ist die Reise zu dir selbst.“
(Udo Schröter in „Bin am Meer“ )

Das Bogenschießen hilft dabei sehr!

Und weiter schreibt er: „Jahrtausende haben wir aus der Kraft der Jäger gelebt, bis wir zu Gejagten unserer Zeit wurden.“

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ComeToTheDarkSide

Was für ein schönes Foto einer schönen Bogenschützin! Von Martin Grunefield bei Archery360°

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Und wieder mal drückt Lenka das aus, wie ich es auch erlebe:

„I think it’s a human nature to want more. More of everything. Mainly if that „something“ is what we love. The passion for something. We want more. Immediately. And we forget that if we had it here and now, there would not be any passion. Any emotion that lasts. My coach told me recently that not those who get everything now but those who work on their dreams, searching for perfection, last in time. Those who try to develop their skills and long for learning new things can be successful. Well, if you get to know success immediately, you will never appreciate it like the one who work everyday to reach his/her dream, fighting problems and failures. So I think my coach is right. Sometimes we do things and we want them so much that we forget why we do it. Sometimes we just need to calm down, slow down and don’t worry. We need to realize how much of the road we have already walked and we should be happy for the little achievements. Step by step. No hurry. We worked a lot to be where we are and just we know what it took us to be here. So trust the process. Everyone of us has a different speed but the process is the same. Don’t forget to have fun along the way!“

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Als ich obiges vor wenigen Tagen zusammengestellt und geschrieben habe, wusste ich nicht, dass mich das Thema der Entscheidungen heute wieder einmal so „überfallen“ würde:
der Bauch kämpft gegen den Kopf…
Im Januar habe ich mich sehr spontan zu dem Turnier nächste Woche angemeldet. Es war wirklich aus dem Bauch heraus! Zwei Tage raus aus dem Alltag, in netter Gesellschaft Pfeile fliegen lassen, das hat mich sehr angesprochen!
Und jetzt weiß ich, dass an nächsten Samstag Training bei CC ist. Und mein Kopf sagt: „du bist so schlecht, du musst unbedingt ins Training!“
Tatsächlich: am Freitag lief es schon in der Halle nicht gut, ich habe die Pfeile ohne Sinn und Verstand „rausgehauen“. Ich konnte mich nicht kontrollieren, mir nicht die Zeit nehmen zu ankern und in die Linie zu gehen… und paradoxerweise (mein typisch spezielles „archer’s paradox“, wie ich schon einmal schrieb) spiegelte sich die schlechte Technik nicht im Trefferbild wieder – das war recht „ordentlich“. Und dann bekomme ich von einer anderen Jagdbogenschützin sogar noch ein Lob für meinen konstanten und „reifen“ Stil! Sie konnte es nicht fassen, dass ich erst ein Jahr schieße…

Der Schiefbahner Trainer Stefan hat es dann noch geschafft, dass ich etwas mehr Ruhe in meinen Schussablauf bringen konnte. Zufrieden war ich trotzdem nicht. :`(
Gestern war Training bei Jens. Solange es klare Ansagen gab, konnte ich den Schussablauf Schritt für Schritt aufbauen. Selbst schwierige Übungen wie das Stehen auf einem Bein fielen mir leicht, solange der Schussablauf angesagt wurde. Sobald die Pfeile „frei“ waren, schluderte ich wieder – und habe dabei den Luftballon auf ca. 35 m „erlegt“.
Es ist wie verhext! :**:
Und so hadere ich jetzt mit mir. Ernsthaft arbeiten wäre doch nun viel wichtiger als ein spaßiges Wochenende! Andererseits wünsche ich mir die Zuversicht, zu meiner Bauchentscheidung stehen zu können! Der Bauch hat sich ja etwas dabei gedacht. Aber mein Kopf stellt Bauchentscheidungen infrage – immer! Und im Zweifel ist mir dann jede Entscheidung verleidet, egal wie sie ausfällt. Denn die andere hätte die richtige sein können…

Wie habe ich noch oben geschrieben?
Stehen wir zu unserer Entscheidung, unseren Weg zu gehen?
Trauern wir verpassten Gelegenheiten nach?
Denken wir: „wäre ich doch den anderen Weg gegangen“?

Genau… :??:

CC schrieb gerade: „Es gibt keine Entscheidung beim Schießen, nur ein Zulassen.“
So wird es wohl auch mit anderen Entscheidungen sein.

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