Rückschläge…

Egal ob im „wahren Leben“ oder im Sport… immer wieder muss man damit fertig werden, dass es mal nicht läuft.
Im Dezember hatte ich beispielsweise einen richtigen „Hänger“. In der Reha zweieinhalb Wochen ohne Trainer fast nur auf FITA-Distanz Scheiben geschossen, dann drei Wochen krank – und es lief nichts mehr. Auf dem Parcours war es eine echte Katastrophe, es fühlte sich so an, als ob ich noch nie einen Bogen in der Hand gehabt hätte!
Und dann kam noch der Spruch eines Vereinskameraden: „Hast du denn bei CC nichts gelernt?“ Was sollte ich als Frischling darauf jemand mit jahrzehntelanger Bogenerfahrung antworten? Zusätzlich war es mir sehr peinlich, schließlich nehme ich ja Trainerstunden um mich zu verbessern. Jedenfalls war ich sehr frustriert und hätte den Bogen am liebsten in die Ecke gestellt. :`(
Der Reisende war recht aufgebracht, als ich das erzählte, weil solche Sprüche verletzen, niemanden weiterbringen und zerstören, statt zu fördern! Letztlich kann ich aber andere Menschen nicht ändern, ich kann nur meine Einstellung und Haltung ändern!

Zum Glück kann ich mich jederzeit in der geschlossenen Facebook-Gruppe mit meinem Trainer und den Trainingskollegen austauschen. Die haben mich u.a. zu meinen Erwartungen befragt – und vielleicht waren die wirklich zu hoch gewesen. Schließlich schieße ich erst ein knappes Jahr… Das Lernen ist eben ein langer Prozess und da gibt es auch mal Rückschläge. Wichtig ist, wie man damit umgeht und sich trotzdem motiviert. Zumal ich nicht vorhabe, irgendwann ein Treppchen zu besteigen – DANN hätte ich ja wirklich Erfolgsdruck!
Aber „besser“ werden möchte ich natürlich trotzdem, ich denke das steckt auch in der menschlichen Natur.

Einfach mit einem guten Gefühl nach Hause fahren zu wollen, weil man die „Früchte seiner Arbeit“ beim Bogenschießen so unmittelbar sieht – was mich im Übrigen sehr fasziniert! Wo hat man sowas schon? Dazu muss man sich gar nicht mit anderen Schützen messen und muss auch keine Punkte zählen, es genügt schlicht der Blick aufs Ziel. Nie ist man so allein mit sich wie im Moment, wenn man an die Schießlinie oder den Pflock tritt und den Bogen hebt. Dieses Bei-sich-Sein ist vielleicht nur ungewohnt für mich und das ist der eigentliche Lernprozess – in dem es auf das Treffen tatsächlich nicht ankommt (wie es im Idealfall auch die Zen-Bogenschützen praktizieren).
Es gibt einen Buchtitel „Nicht zielen, dann triffst du“ Ich kenne das Buch nicht, aber wenn diese Zeile stimmt, dann geht der Blickwinkel weg vom „Erfolg“ = Treffer und hin zu sich selbst. Und dann (wenn man diesen Blickwinkel ändern kann) ist es für eine innere Zufriedenheit vielleicht auch tatsächlich nicht mehr wichtig zu treffen. Ich lerne mehr und mehr, dass ich die ganze Sache vielleicht falsch angegangen bin, weil ich mich nur auf das Treffen und nicht auf mich fokussiert habe (daher evt. auch das mangelnde Körpergefühl). Und dann braucht es tatsächlich keinen Druck!

Ein paar Tage später war zum Glück wieder Training, und an der Scheibe und mit Hilfe von CC konnte ich mich von diesem Tiefpunkt wieder „erholen“!

Trainingskollege Sebastian erkannte in einem anderen Zusammenhang: „Der Parcours ist ein echter Technikfresser!“
Und wenn das jemand äußert, der sehr lange Erfahrung hat…

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Letzten Freitag war ich dann wieder auf dem Parcours, weil ich das schöne Wetter nutzen wollte. Technisch geschlampt, Fokussieren nicht gelungen, es lief einfach nicht! :-/ Schließlich habe mich allein an die Scheibe gestellt und nach ein paar Passen war ich wieder drin. Nun ist ja das Scheibenschießen nicht das, wo ich hin will…

Sebastian meinte dazu:
„Zwei Ansätze.
Erstens: einfach eine Runde schießen gehen und in den Flow kommen…positives Grundgefühl erzeugen und das Schießen „geschehen lassen““ – geht bei mir am besten alleine. Als Abschlusselement an die Scheibe.
Zweitens: mit Leuten, die denselben Technikanspruch haben wie du, ins Gelände und da den Fokus auf die Haltung.“

Ich hatte das für mich auch schon analysiert.
1. ich war mit einem Kumpel auf dem Parcours, der ohne irgendwelche Ansprüche und Training „einfach“ schießt – und trifft! Was er allerdings tut: er ankert konsequent und schießt recht konstant. Und ich tu‘ mich so schwer… :**:
2. ja, würde gerne öfter mit Leuten aus der Trainingsgruppe auf den Parcours gehen. Haben wir vor ein paar Monaten mal geschafft. Und da nehme ich mir auch deutlich mehr Zeit, habe mehr Ruhe und kann mich besser konzentrieren.
3. Alleine gehen klappt eigentlich nur, wenn ich unter der Woche komme. Ansonsten ist fast immer was los, und dann bilden sich automatisch inhomogene Grüppchen. Und natürlich ziehe ich auch gerne in der Gruppe los.
4. großes Problem ist die Höhe, das habe ich mit dem Sniper noch nicht zuverlässig raus. Die Scheibe steht ja immer auf gleicher Höhe, und man steht auf Naturboden natürlich immer unterschiedlich. Meine Seitenabweichung hat sich schon verbessert, aber vertikal ist immer noch alles drin: drunter, drüber in allen Variationen. Bin auch noch zu zaghaft bei Weitschüssen, da ich immer befürchte zu hoch zu halten.
5. Schießen „geschehen lassen“, ist bei mir noch ein großes Thema, da ich gerne „kontrolliere“ und Intuition und Instinkt ungern vertraue. An der Scheibe (vor allem in der Halle oder bei mir zuhause) gelingt mir das „Schießen lassen“ schon eher, weil ich mir da über die Grundbedingungen (Höhe, Stand…) wenig bis keine Gedanken mehr mache bzw. machen muss. Im Gelände bin ich dauernd am „Analysieren“ – am Freitag kam auch noch der starke Wind hinzu, der mir an und zu sogar den Pfeil vom Shelf schob! Zum Glück konnte ich den Schuss dann immer noch abbrechen.
Natur ist eben Natur! Trotzdem möchte ich nicht mit Olympic-Schützen tauschen. 😉

Auch wenn CC zur Geduld mahnt und Parcourstraining erst wieder für den Sommer ins Auge fasst… *seufz*

Dann kam der gestrige Sonntag…
Eigentlich wollte ich gezielt alleine gehen, aber manchmal kommt es eben anders. Ich war mit einem Compoundschützen (auch relativ neu dabei) und einem „Frischling“ (also noch mehr Frischling als ich 🙂 ) unterwegs. Da der Compounder natürlich viel ruhiger an die Sache ran ging und ich mich oft gezielt an zweiter Position einreihte, fiel es mir nicht schwer, länger in den Anker zu gehen und die Linie aufzubauen. Daher lief es heute auch deutlich besser!

Dann noch ein wenig Scheibentraining alleine:
Habe mehrfach auf 20 m auf die Scheibe mit geschlossenen Augen geübt, um die Linie besser zu spüren. Das gab sogar ordentliche Gruppen! Ich sollte wohl öfter „blind“ schießen. Beim Nachtschießen im November habe ich ja ebenfalls gemerkt gemerkt, dass ich (mich) viel besser fokussieren kann, wenn ich Außenreize ausblende… Und je weniger ich „will“ ( = erzwingen möchte), desto besser läuft es!
Zum Schluss habe ich mich sogar an Weitschüsse getraut, 60 m, musste mich doch endlich mal heran tasten, was der Sniper wirklich kann! Nicht perfekt, aber gut in der Linie, das T aufgebaut und sogar ein paar Mal die Scheibe oder zumindest den Schießsack darunter getroffen.

Also ein sehr guter Tag, da war ich wirklich zufrieden! :yes:

Vor vier Wochen habe ich mich in einem Anfall von Mut (oder Selbstüberschätzung…) für Anfang März zu einem Turnier angemeldet ( „Vossenacker Fuchsjagd“ in der Eifel). Ob ich mir das mental so einprägen kann, dass es einfach ein „Fremdparcours“ ist, so wie beispielsweise die Parcoursbesuche in Hagen oder Hellenthal. Also ohne jeden Druck einfach Spaß haben! B) Denn es „zwingt mich ja wirklich nichts, nur meine eigene Erwartungshaltung…
Immerhin werde ich einen Bekannten in der Gruppe haben, der sehr konzentriert und mit viel Ruhe schießt. Daran kann ich mich dann orientieren, falls ich mich nicht selbst in diese Ruhe bringen kann. Denn in der Ruhe liegt die Kraft! Auch wenn das nicht unbedingt meinem Naturell entspricht… 😉

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